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  • Rolf Blaga
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    Rolf Blaga

    Was macht das Coronavirus mit der Psoriasis?

    Als sich in 2020 das Corona-Virus (SARS-CoV-2) weltweit verbreitete, wusste man nichts darüber, wie es langfristig wirkt. Die Symptome der Viruskrankheit SARS-Covid-19 verschwanden, wenn die Infektion überwunden oder die Patientin gestorben war. Bei einem Teil der Betroffenen zeigten sich Long-/Post-Covid Folgen, von denen die meisten sich sehr langsam zurück entwickeln. Da viele Virusinfektionen zu chronischen Autoimmun-Erkrankungen führen können, wurde das auch vom Corona-Virus erwartet. Für die Psoriasis liegen jetzt erste Ergebnisse vor. Es ist offen, ob die auch auf die aktuellen Corona-Mutanten zutreffen. Aber vielleicht auf das nächste Virus, das ganz sicher auf uns zukommt.

    • Wer sich 2020 mit dem Coronavirus angesteckt hatte, bekam hinterher häufiger eine Autoimmun-Erkrankung als Menschen ohne Corona-Infektion.
    • Für die meisten war es ihre erste Autoimmun-Erkrankung. Häufiger betraf das Ältere, Frauen und schwer an Corona-Erkrankte. Ein Drittel der Betroffenen hatte schon vorher eine andere Autoimmun-Erkrankung.
    • Personen mit COVID-19 entwickelten durchschnittlich 17 Prozent häufiger eine Psoriasis als diejenigen, die sich nicht infiziert hatten.
    • COVID-19 hat in seltenen Fällen eine bestehende Schuppenflechte verschlimmert, einen Schub ausgelöst oder den Psoriasis-Typus verändert. Es sind weltweit nur Beobachtungen mit wenigen Teilnehmern und Einzelfallschilderungen bekannt.
    • Corona-Impfungen können in seltenen Fällen eine Psoriasis auslösen oder verschlimmern. Weltweit wurden bis September 2022 nur 35 Neu-Erkrankungen und 279 Schübe als Impffolgen bekannt. Gespritzt wurden bis dahin mehr als 12 Milliarden Impfdosen. 

    Corona-Erkrankung und Psoriasis

    Verursacht eine Corona-Erkrankung eine Autoimmunität?

    Bisher gab es kaum verlässliche Daten darüber, ob als Ursache einer Corona-Infektion auch Autoimmun-Erkrankungen neu auftreten können. Erste Erkenntnisse finden sich in einer Auswertung von Gesundheitsdaten aus Großbritannien vom Oktober 2022. In der Gruppe derjenigen mit Covid-19 erkrankten später 23 Prozent mehr erstmals an Psoriasis als in der Gruppe ohne.

    Jetzt gibt es auch für Deutschland verlässliche Zahlen. Autorinnen und Autoren der Uni Dresden haben die Verschreibungsdaten von 38,9 Mio. Deutschen ausgewertet. Das sind alle Krankenversicherten der Techniker Krankenkasse, BARMER, DAK Gesundheit, IKK classic, AOK PLUS und mehrerer Betriebskrankenkassen. Interessiert haben die Daten der 641.704 Personen, die in 2020 (durch PCR-Test bestätigt) an Covid-19 erkrankt waren. Die wurden mit Versicherten ohne dokumentierte Corona-Infektion verglichen. Beide Gruppen sind bis zum 30. Juni 2021 weiter beobachtet worden. Man beschränkte sich bewusst auf 2020, um sicherzustellen, dass Ergebnisse nicht durch Impfungen beeinflusst werden konnten.

    Die Versichertendaten belegen, dass eine Infektion mit dem Coronavirus das Risiko erhöht, erstmals eine Autoimmun-Erkrankungen zu bekommen oder an einer zweiten zu erkranken. In der Gruppe mit Covid-19 war das Risiko, (irgend)eine Autoimmunität neu zu entwickeln, durchschnittlich 43 Prozent höher als in der Gruppe ohne – vor allem bei denjenigen, die schon vorher eine Autoimmun-Erkrankung hatten.

    Am häufigsten erkrankten Covid-19-Patienten an Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, Psoriasis, rheumatoide Arthritis oder dem Sjøgren-Syndrom.

    Verursacht eine Corona-Erkrankung eine Schuppenflechte?

    Die Wahrscheinlichkeit, erstmals an Psoriasis zu erkranken, war in der Gruppe mit Covid-19 um 17 Prozent höher als in der ohne, also deutlich geringer als in der Studie aus Großbritannien.

    Für die Psoriasis wurde nicht gesondert erhoben, welche Personengruppen besonders gefährdet waren. Aber allgemein wurde festgestellt, bei wem eine Autoimmun-Erkrankung nach Covid-19 häufiger diagnostiziert wurde: Gerechnet auf 1000 Personenjahre erkrankten

    • 6-mal mehr Ältere (über 65 Jahre) als Jüngere (unter 18 Jahre),
    • 1,6-mal mehr Frauen als Männer,
    • 2-mal mehr wegen Covid-19 im Krankenhaus als nur ambulant Behandelte und
    • 2,7-mal mehr wegen Covid-19 auf der Intensivstation als nur ambulant Behandelte.

    Die Auswertung der Daten beschränkte sich auf 2020, also auf den damals vorherrschenden „Wildtyps“ des SARS-CoV-2. Ob und wie sie auf andere Varianten übertragen werden können, bleibt zu klären.

    Virusinfektionen verursachen eine Autoimmunität

    Es erscheint logisch, dass die Infektion mit dem Corona-Virus auch Autoimmun-Erkrankungen verursachen kann. Von anderen Virusinfektionen ist das lange bekannt, und SARS-CoV-2 weist die gleichen Merkmale auf wie diese.

    Welche Viren können welche Autoimmun-Erkrankung verursachen?

    • Epstein-Barr-Virus, Masern, Varizella-Zoster-Virus, Zytomegalie-Virus: Multiple Sklerose
    • Hepatitis: Kryoglobulinämie
    • Hepatitis N: Arthritis, Vaskulitis
    • Humanes Immundefizienz-Virus: Verschiedene Erkrankungen
    • enteritische Viren, Coxsackie, Zytomegalie-Virus: Diabetes
    • Hepatitis C, Dengue Virus, Parvovirus: Systemischer Lupus Erythematodes
    • Herpesviren: rheumatische Arthritis
    • Herpesviren: Sjøgren’s Syndrom
    • Parvovirus B19: Arthritis

    nach: „Immunität, Autoimmunität und SARS-CoV-2“, Hendrik Schulze-Koops, Deutscher Rheumatologiekongress 2022

    Verschlechtert eine Corona-Erkrankung eine bestehende Psoriasis?

    Im April 2022, als Corona schon über zwei Jahre weltweit verbreitet war, waren nur wenige Einzelfälle bekannt, in denen Covid-19 eine bestehende Psoriasis verschlechtert hat. Trotzdem, so die italienischen Autorinnen und Autoren, könne eine Verschlechterung durch Covid-19 grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Schon immer haben Virusinfektionen eine Psoriasis ausgelöst, sie verschlimmert oder verändert. Möglicherweise seien bisher keine Studien dazu durchgeführt worden.

    Eine andere italienische Übersicht vom Dezember 2021 konnte weltweit lediglich elf veröffentlichte Fälle erfassen, in denen sich die Psoriasis eindeutig durch das Corona-Virus verschlimmert hatte.

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    Corona-Impfung und Psoriasis

    Impfen trotz unerwünschter Impf-Folgen?

    Ob jemand grundsätzlich fürs Impfen oder grundsätzlich dagegen ist, entscheidet sich an den möglichen „Impfschäden“. Die Befürworter wägen Risiko und Nutzen ab: im Verhältnis zu den Millionen Geimpften würden schwere Folgen sehr selten auftreten. Deutlich häufiger würde eine Impfung vor einer schweren Erkrankung schützen. Die Gegner lehnen es grundsätzlich ab, als gesunder Mensch schwerwiegende Nebenwirkungen zu riskieren. Ob und wie stark Inhaltsstoffe des Impfstoffs für Impfschäden verantwortlich sind, wird unterschiedlich seriös belegt. Manche Impf-Folgen treten erst nach längerer Zeit auf, so dass im Nachhinein bestimmte Personengruppen als gefährdet eingeordnet werden müssen. Das gibt es auch bei Medikamenten. Bekanntgewordene Fälle, bei denen Pharmafirmen schwerwiegende oder tödliche Risiken verschwiegen haben, erschüttern regelmäßig das Vertrauen in die Medizin.

    In Deutschland wurden bis Juli 2022 mindestens 60 Corona-Impfschäden anerkannt. Das ist 1 Fall auf ca. 100.000 bis 250.000 Impfungen und entspricht der Häufigkeit bei anderen Impfungen.

    Welchen Einfluss haben Corona-Impfungen auf die Psoriasis?

    Die Corona-Impfung verhindert zwar nicht, dass man sich ansteckt. Aber sie senkt drastisch die Gefahr, dass Covid-19 schwer verläuft oder man daran stirbt. Deshalb wird sie auch für Menschen mit der Psoriasis-Erkrankung empfohlen.

    Psoriasis kann durch eine Corona-Impfung neu ausbrechen oder sich verschlechtern. Aber die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle ist extrem niedrig: Die Analyse wesentlicher Datenbanken ergab im September 2022, dass weltweit bei 35 Patienten eine Psoriasis durchs Impfen neu aufgetreten ist; überwiegend in der Plaque-Ausprägung (17) oder als Psoriasis guttata. Bei 279 Patienten bewirkte die Impfung einen Schub. Eine Übersichtsarbeit aus dem Oktober 2022 fand weltweit lediglich 51 Fälle, bei denen sich der Hautzustand verschlechtert hat.

    Die meisten Impfreaktionen traten bei Comirnaty (BioNTech/Pfizer) auf. Das liege aber vermutlich daran, dass Comirnatiy am häufigsten „verimpft“ wurde, so die Autorinnen und Autoren. Den extrem geringen Fallzahlen steht gegenüber, dass in diesem Zeitraum weltweit ca. zwölf Milliarden Impfungen stattgefunden haben.

    Unklar ist, ob in diesen Zahlen der Bericht der Universitäts-Hautklinik in Taipei (Taiwan) vom Dezember 2021 berücksichtigt wurde. Dort hatte man 83 Psoriasis-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ausgewählt. Davon waren 51 geimpft und 32 ungeimpft. Bei den Geimpften gab es 15 Verschlechterungen (29,4 %), bei den Ungeimpften lediglich zwei (6,3%). Die Verschlechterungen traten durchschnittlich nach zehn Tagen auf. Der PASI verschlechterte sich im Mittel von anfangs 3,1 (leichte Psoriasis) auf 8,0 (moderate Psoriasis). Dagegen blieb der PASI bei den Nicht-Geimpften stabil. Bei 3 Geimpften (6%) veränderte sich die Psoriasis vom chronische Plaque-Typ zum Guttata-Typ.

    Eine italienische Studie beobachtete im Januar/ Februar 322 geimpfte Psoriasis-Patienten. 6 von ihnen (2%) hatten nach der Impfung einen Schub. 

    Die Autoren aus Taiwan weisen darauf hin, dass die Zahl der beobachteten Patienten sehr gering ist. Es könne nur vermutet werden, dass die Psoriasis sich ursächlich wegen der Impfung verschlechtert hat. Bekanntlich verlaufe eine Psoriasis meist schubweise, auch ohne äußeren Einfluss. Sie empfehlen ausdrücklich, sich impfen zu lassen. Es sei gut gut dokumentiert, wie effektiv COVID-19-Impfstoffe bei Psoriasis-Betroffenen schweren COVID-19-Infektionen und Todesfällen vorbeugen.

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

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    Über den Autoren

    Rolf Blaga hat sich mehr als 28 Jahre lang in der Patienten-Selbsthilfe für Menschen mit Schuppenflechte engagiert. Als Autor fürs Psoriasis-Netz besucht er regelmäßig medizinische Veranstaltungen. Er ist Vorsitzender der AG Medizin und Gesundheit bei Transparency Deutschland.

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    Seit Corona (3x erkrankt), hat sich meine Pso stark manifestiert. Was Früher half, hilft nicht mehr, und wenn dann langsamer….

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    Salamander2

    Posted

    Wie immer ein super Artikel :)

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    Meine SARS CoV2-Infektion (positiver Schnelltest) war im Nov2023 und dauerte 11 Tage bis zur völligen Genesung. Am 12. Tag war sogar Sport wieder eingeschränkt möglich.

    (Weil Sep+Okt noch so sonnig waren, hatte ich noch nicht mit der Vit.D-Substitution begonnen; leider hatten wir aber Jul+Aug fast gar keine Sonne und mein Vit.D-Status könnte niedrig gewesen sein..)

    Die Infektion äußerte sich anfangs durch leichtes Kratzen im Hals, dann Schüttelfrost, 36,9°C leicht erhöhte Temperatur, ausgedehnte Gliederschmerzen (bis in den kleinen Finger), Kopfschmerzen an sehr vielen Stellen gleichzeitig (bei anderen Grippen waren nur 1-2 Stellen üblich), Nebenhöhlen, Kieferhöhle und Stirnhöhle waren gereizt, Geruchs- und Geschmacksveränderung, das Gehen war unsicher, aber mit Halten an Möbeln oder Wand möglich. Es fehlten Übelkeit, Nackensteifigkeit, Schnupfen und Husten! Bis jetzt kenne ich niemanden mit dieser Symptomatik. Es könnte eine Kopfgrippe oder Meningo-Enzephalitis (Arzteinschätzung) gewesen sein.

    Meine Therapie war über 50 Stunden Bettruhe, Teetrinken, Toilette, dann 2 Tage 16 Std./Tag schlafen, dann 2 Tage 12 Std./Tag schlafen und bis zum 11. Tag Mittagsschlaf halten. Keine Medikamente, bis auf Nasenspray und Beginn der Vit.D-Substitution, mein Arzt wollte mich nicht sehen und der Bereitschaftsdienst auch nicht - bei möglichen Komplikationen sollte ich direkt  ins Krankenhaus.

    Meiner Pso ging es wie bei anderen grippalen Infekten auch während der Bettruhe besser und sie zeigte sich danach wieder unverändert.

    Im Dez2023 folgte nochmal ein grippaler Infekt mit Beteiligung der Atemwege, Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Nebenhöhle und dauerte auch 11 Tage und meine Pso reagierte darauf wie oben beschrieben.

    Im Jan2024 wurde meine Pso plötzlich sehr viel besser! Viele alte hartnäckige Stellen verblassten. Erst jetzt im Mär2024 beginnt die Pso wieder einige wenige neue Stellen zu bilden.

    Warum?

    Während und nach den beiden Infekten hatte ich ein höheres Ruhe- und Schlafbedürfnis, dem ich nachgegeben hatte - sonst war (bis auf die Vit.D-Substitution) alles gleich geblieben. (Vor einem Jahr hatte ich noch einen unerwarteten Pso-Schub zu außergewöhnlicher Zeit, mögliche Ursache - ein Kratzer am Fuß.) 

    Meine Hautärzte erzählten von der Nachkriegszeit, als es keine Medikamente außer evtl Vaseline gegeben hatte, dass die Pso-Patienten damals auch von 3-6 Wochen Bettruhe im Krankenhaus profitiert hatten.

    LG Burg

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