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... liegen nun hinter mir. Der folgende kleine Bericht ist einen Innenansicht der Klinik und will ermutigen, sich den Ärzten dort anzuvertrauen.
Mai 2008 - Mit meiner (wir haben ein sehr enges Verhältnis...) Erythrodermie (Befall der Haut mit Psoriasis von mehr als 90%) kam ich nach einem Klinikmarathon von über einem Jahr in Leutenberg an. Die herkömmlichen Therapien habe ich alle hinter mir (MTX, Fumarderm, Immunosporin). Die Hoffnung auf Besserung noch vor mir. Von Leutenberg wusste ich durch Erzählungen von Betroffenen die mir die Klinik empfahlen.
Erste Überraschung: Anruf am Freitag Mittag: Kann ich kommen, es ist dringend. Antwort: Ja, wenn Sie wollen gleich morgen.
Unkompliziert und freundlich. Der erste Eindruck.
Zweite Überraschung: Aufnahmegespräch. Der Oberarzt Dr. Lazaroff hat sich eineinhalb Stunden Zeit genommen, meine Vorgeschichte sehr detailliert zu erfragen und zu notieren. So ausführlich hat bisher kein Arzt der anderen Kliniken versucht, meine Geschichte zu ergründen.
Dritte Überraschung: Der Unterbringungsstil gleicht dem Charme einer Jugendherberge in den 1980er Jahre. Wenngleich das Gebäude sehr reizvoll auf einer Anhöhe über dem kleinen Städtchen Leutenberg thront und hervorragend dafür geeignet ist ganz und gar zu vergessen, dass man in einer dermatologischen Fachklinik weilt. Ein Vorteil der Lage inmitten des abwechslungsreichen Thüringer Waldes: wenn ich mich mal wieder selbst nicht gefallen habe und nicht wollte das mich jemand so sieht - der Wald ringsumher hat mich ungefragt in sich versteckt. Sogar Wanderungen von mehreren Stunden sind möglich ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen.
Schwerpunkte der Behandlung in meinem Fall:
-Herstellung der Körpereigenen Abwehrkräfte und Stärke durch Gabe von
Nahrungsergänzungsstoffen wzb. Enzyme, Vitamine, Mineralien..
-Reinigung des Körpers von Wirkstoffen wie Kortison, Immunosporin,...
-Wiederherstellung der Funktion von Magen/Darm mittels Fasten, gesteuerten Darmentleerungen und Darmspülungen (über 13 Tage)
-Umstellung der Ernährung: Hystaminarme Kost, Lebensmittel frei von chemischen Zusatzstoffen, Schulungen in Kochen und Backen mit ebendiesen Lebensmitteln (ein hervorragendes Kochbuch wurde von den Ernährungswissenschaftlern dort erarbeitet)
-Psychologische Betreuung: Gespräche in Gruppen, Enspannungstherapeutsiche Maßnahmen
Ausserordentlich gut betreut fand ich mich wegen der engmaschigen Visiten mit Arzt (täglich), Oberarzt und Chefarzt (bis zu drei mal wöchentlich!).
Das habe ich in noch keiner Klinik bisher erlebt. Auch gab es Situationen, in denen mein Arzt, Dr. Zobel, den Rat der anderen Kollegen einholen wollte. Dazu gab es jeden Nachmittag die Möglichkeit, in vollversammelter Ärzterunde die aufgekommenen Fragen zu erörtern. Die Ärzte erschienen mir sehr kompetent und, was ich als sehr wichtig erachte, sehr menschlich und menschenfreundlich. Auf den Gängen und Fluren herrscht eine spürbar freundliche Atmosphäre.
Von Vorteil fand ich auch die Möglichkeit, länger schlafen zu können. Keiner der mich um 7.00 Uhr in der Frühe wachputzt.
Eher schwierig empfand ich das große Zeitfenster der Visite. Je nach Lage des Zimmers kann die Visite um bis zu 3 Stunden früher oder später stattfinden. Nach einem Zimmerwechsel war ich dann der erste im Plan und musste dann nicht den ganzen Vormittag Zimmerwache halten.
Das Pflegepersonal habe ich als sehr freundlich, kompetent und hilfsbereit erlebt. In 6 Wochen konnte ich mir einen von Tageslaunen unabhängigen Eindruck verschaffen und muss sagen, einige der Damen habe ich richtig lieb gewonnen... Vom Patienten ist viel Eigeninitiative und Mithilfe verlangt. Die Schwestern helfen gerne - aber es ist nicht (wie ich in anderen Kliniken auch schon erlebt habe) die Pflegestufe III
Im Schloss gibt es die Möglichkeit, sich auch ausserhalb des Zimmers aufzuhalten (auch in Ruhe). Das Gelände ist weitläufig und gerade im Frühling und Sommer sehr schön.
Gekocht wird einfach und schmackhaft - wenn man es gerne ungewürzt und ursprünglich hat. Eine Besonderheit ist das Kaninchenfleisch. Durch meine Fastenzeit bekam ich eine eigene Aufbaukost verordnet die in der Küche extra zubereitet wurde!
Was ist nach den 6 Wochen anders als zuvor?
Die Entzündung der Haut ist ein wenig zurückgegangen. Nach wie vor nehme ich täglich mehrere Präparate ein (Enzyme, Zink, OmegaIII Fettsäuren,...).
Dr. Shimshoni (der Chefarzt, Gründer und Leiter der Klinik) hat mir zu keiner Zeit vorenthalten, dass der Besserungsprozess mehrere Monate dauern wird.
So übe ich mich also in Geduld.
Fragen über Fragen beantworte ich gerne.
Fazit: nach meinem Dafürhalten bedingungslose Empfehlung der Klinik
9 von 10 möglichen Sternen. Abzug wegen des etwas ältlichen Ausstattungsniveaus