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Talinka

Hallo

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Talinka

Hallo zusammen,

ich kenne dieses Forum schon länger und habe mich nun endlich registriert.

Meine Psoriasis trat bei mir zum ersten Mal auf, als ich etwa 12 war. Da schon meine Mutter und mein großer Bruder mit dieser Krankheit kämpfen, war die Diagnose eigentlich sofort klar.

Ich ging dann erst zum normalen Hausarzt, der mir ein paar Salben verordnete, die allerdings kein bisschen etwas brachten. Nachdem die roten Stellen an Ellenbogen und Beinen immer größer wurden, ging ich schließlich zu einem Hautarzt.

Es folgten eine Reihe verschiedener Salben, die ebenfalls alle nicht halfen. Dabei war auch eine eklige, silbrige Creme, die nur mit Handschuhen aufgetragen werden durfte und mir mehr als ein Oberteil zerstört hatte *grusel*.

Als das alles nichts half, folgten Bestrahlungen, von denen ich Herpes und Sonnenbrand bekam. Die Psoriasis blieb hartnäckig. Am Ende schmierte ich monatelang mit Kortison, was dann ein bisschen was brachte, aber auch keine Dauerlösung war.

Nachdem ich mit diesem Hautarzt, der weiter auf seinem Kortison beharrte, einige weitere Schwierigkeiten hatte, wechselte ich mehrmals in Folge die Ärzte. Nachdem keine der verordneten Salben wirklich wirklich Linderung verschaffte und alle Ärzte aber auf der Salbenschmiererei bestanden, wandte ich mich irgendwann im späten Teenageralter von den Hautärzten ab.

Für Notfälle habe ich eine Kortisonsalbe, die mir der Hausarzt verschreibt und die restliche Zeit habe ich einige Dinge selbst ausprobiert. Von Molke über Flüssigmeersalz bis hin zu dieser komischen rosa Creme war da einiges dabei (ich brauche wohl nicht dazuzusagen, dass das alles auch nicht half...)

Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt und merke langsam, wie mich meine Psyche in ein tiefes Loch reißt. Als Jugendliche habe ich meine Psoriasis nie als wirkliches Problem wahrgenommen. Sie war da, aber störte mich nie wirklich, da ich das ja von meiner Familie schon kannte und als "normal" ansah. Als ich mit 19 meinen heutigen Verlobten kennenlernte, traten kurz Selbstzweifel auf, die mein wunderbarer Schatz aber gleich abtat mit dem Satz: "Mich störts an den Armen nicht, warum sollte es mich an den Beinen stören?". Damit war die Sache auch für mich vorerst erledigt.

Auch auf der Arbeit war die Schuppenflechte eigentlich nie ein Problem. Meine direkten Kollegen haben natürlich irgendwann mal gefragt, was ich da habe, ich habs ihnen erklärt und damit war die Sache in Ordnung. Ich nehme mittlerweile sogar eine recht zentrale, administrative Stellung in meinem Betrieb ein und schule neue und alte Mitarbeiter. Bisher war also alles eigentlich nie ein großes Problem. Die Schuppenflechte war da, störte mich auch irgendwo, aber ich kam mein Leben lang eigentlich ganz gut damit klar.

Im letzten Jahr merke ich jedoch, dass die Psoriasis mehr und mehr meine Psyche angreift. Ich mag nicht mehr schwimmen gehen und gerade jetzt im Sommer muss ich mich jeden Morgen beim Anziehen regelrecht dazu zwingen, kurze Oberteile anzuziehen (kurze Hosen trage ich schon ewig nicht mehr, das ist mir zu heftig). Obwohl ich wohl eine eher leichte Form der Psoriasis habe (mittelgroße Stellen an den Ellenbogen, mehrere kleine Stellen an den Oberarmen, Ohren und große Flächen an den Schienbeinen und Unterschenkeln), geht es mir damit immer schlechter. Obwohl sich mein Umfeld nicht verändert hat und ich selten darauf angesprochen werde, mag ich mich nicht mehr gern zeigen. Früher war mir das egal, aber mittlerweile bekomme ich das Gefühl, dass jeder auf meine Arme starrt...

Am Mittwoch ist dann meine Fassade endgültig zusammengebrochen. Wir haben seit kurzem eine recht junge Kollegin (schätzungsweise so um die 20). Man muss jetzt sagen, dass sie mir ohnehin nicht so sympathisch ist, weil sie mir zu unruhig und zu albern ist. Jedenfalls hat sie mich schon nach den ersten paar Tagen vor versammelter Mannschaft ziemlich achtungheischend und laut auf meine Ellenbogen angesprochen. Ich hab ihr dann ruhig und freundlich, wie ich es in solchen Situationen immer mache, erklärt, dass es sich hierbei um erblich bedingte Schuppenflechte handelt. Seitdem fängt sie immer wieder damit an und vergleicht es ständig mit der Neurodermitis, die sie wohl mal als Kind hatte. Und dauernd empfiehlt sie mir irgendwelche Sachen, die ihr bei ihrer Neurodermitis geholfen haben sollen. Am Dienstag war die Stelle an meinem Ohr ziemlich stark gerötet, was ihr natürlich sofort auffiel. Und natürlich krähte sie wieder durch das ganze Büro, was ich denn da hätte, das wäre ja ganz rot. Ich hab dann nur noch knapp geantwortet, dass es sich hierbei um dasselbe handelt, wie ich es an den Ellenbogen habe. Und wieder meinte sie, mir irgendwelche Wundermittel anpreisen zu müssen.

Am Mittwoch kam dann der Supergau. Ich saß da und habe gerade mit einem Kunden telefoniert, als sie neben mir auftauchte und mir ohne zu fragen einfach irgendeine Creme auf den Arm schmierte. Ich hab den Arm sofort weggezogen, hab sie weggestoßen, mit einem Taschentuch die Creme runtergewischt (die zu allem Übel auch noch hefig nach Parfum roch :-/) und das Gespärch mit meinem Kunden irgendwie beendet.

Sie hat sich sofort entschuldigt, betonte aber wieder, dass diese Salbe "echt gut" wäre und dass ich die unbedingt probieren müsste.

Ich dummes Huhn hab natürlich alles abgewiegelt, weil ich mit der Situation völlig überfordert war. Ich hab relativ abweisend, aber freundlich reagiert und wollte in diesem Moment nur Abstand haben. Den Rest meines Arbeitstages habe ich gegen die Tränen angekämpft. Ich fühlte mich sowieso schon nicht wohl in meiner haut, aber diese Aktion meiner Kollegin brachte das Fass zum Überlaufen. Ich hatte zum Glück Donnerstag und Freitag frei, aber ich sitze seit Mittwochabend wie betäubt rum und frage mich, wie das weitergehen soll. Obwohl mein Umfeld bisher nie Probleme gemacht hat, mag ich mich selbst nicht mehr leiden. Ich habe auf die Kollegin eine wahnsinnige Wut und jetzt fallen mir tausend Sachen ein, die ich ihr gern an den Kopf werfen würde. Ich fresse die Sache in mich hinein, weil ich auch nicht weiß, wie ich am Montag mit ihr umgehen soll. Die Sache hat kaum jemand mitbekommen und ich möchte eigentlich nicht, dass meine Pso auf der Arbeit Gesprächsthema Nummer 1 wird. Es hatte alles so gut geklappt bisher und jetzt bricht mir meine Selbstsicherheit nach und nach weg. Und ich soll Trainings durchführen...

Ich weiß, dass ich mich von so einem Erlebnis nicht so runterziehen lassen sollte, aber ich kann im Moment nicht anders. Am liebsten würde ich morgen losrennen und mir einen Schwung langärmlige Klamotten kaufen, mit denen ich die Zeit überbrücken kann, bis man wieder Wollpullis tragen kann. Andererseits möchte ich mich nicht davon dominieren lassen. Ich kam mein Leben lang damit zurecht und möchte mir nicht mein Leben von meiner eigenen Psyche zugrunde richten lassen.

Ich habe mich hier registriert, weil ich mir ein bisschen Stärkung erhoffe, damit ich mein Leben wieder in den Griff bekomme, bevor ich vollends abstürze. Und ich werde mir wohl wieder einen Hautarzt suchen, auch wenn ich mir nach meinen Erfahrungen nichts gutes davon erhoffe. Aber man soll ja nichts unversucht lassen. Vielleicht werde ich ja irgendwann mal erscheinungsfrei...

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simone84

Hallo Talinka,

ich weiß wie du dich fühlst. Ich habe Jahrelang mit meiner PSO gelebt ohne sie zu behandeln, da ich als Kind kaum Freizeit kannte, da ich mehrmals die Woche zum Hautarzt musste und jeden Abend von meinen Eltern behandelt wurde habe ich mit 16 gesagt, das schluß sei. Ich war damals fertig und ausgebrannt. Wollte von der PSO nichts wissen und habe sie nicht beachtet.

Aber auch ich merke, wie es mir Psychisch immer schlechter geht. Ich habe ständig mit meinem Freund streit, weil ich lieber zu Hause bleibe, als zu Freunden zu fahren oder was zu unternehmen. Vor ein paar Tagen war ich wieder bei einem Hautarzt und versuche es jetzt wieder mit Cremes und Tinkturen. Letztes Jahr bin ich freiwillig in Ambulante Rhea gegangen was schon mal einiges an Besserung gebracht hat.

Dennoch habe ich immer noch den kompletten Kopf voll und am Körper bis zu 2€ große PSO-Stellen.

Die Psyche spielt bei uns eine große Rolle und die Gefahr in einer tiefen Depression zu rutschen liegt 4x höher als bei Menschen ohne PSO.

Zu deiner Kollegin: Geig ich unter 4 Augen mal richtig die Meinung und sag ihr, wenn sie es nicht sein lässt, sorgst du für ihren Rausschmiss oder Abmahnung wegen Mobbing. Sie solle sich mal die AGG (Allgemeines Gleichstellungs Gestz) durchlesen, damit sie versteht, das sie sich Gesetzlich nicht so verhalten darf.

Ich wünsche dir viel Kraft und würde mich freuen, von dir zu hören wie es dir geht.

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Rolfi

Hallo Talinka,

erst einmal herzlich willkommen hier! Ich wünsche Dir, daß Du hier die Hilfe findest, die Du brauchst.

Das ist wirklich eine schwierige Situation für Dich, und ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie sehr es Dir vor dem Montag graust. Dein Bericht geht mir ziemlich nahe.

Auch mein ein erster Gedanke war wie simone84 geschrieben hat, besagte Kollegin um ein Gespräch unter vier Augen zu bitten und ihr ruhig, aber sehr bestimmt zu sagen, daß sie künftig das Thema unterlassen soll. Frag sie, wie sie sich fühlen würde, wäre es umgekehrt. Ob sie es kapiert, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Das erfordert Nerven, die Du momentan eigentlich nicht hast, kann ich mir lebhaft vorstellen. Unternimmst Du aber nichts, wird es auch nicht unbedingt besser …

Oder: Du nimmst Dir, wenn es überhaupt möglich ist, eine Woche Auszeit und meldest Dich krank. Natürlich ist dies ein sehr gewagter Tipp, nur könnte es Dir erst einmal helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und etwas Ruhe zu finden, was letztlich auch Deiner Haut gut täte. Was psychischer Streß mit der Haut veranstalten kann, wissen die meisten von uns.

Ich lese hier und habe es auch selbst erfahren, daß Sonne in Maßen gut für besagte Stellen ist. Versuche bitte, der Versuchung zu widerstehen, langärmlig herumzulaufen, auch wenn es schwer fällt. Sonst gibst Du dieser sch… Krankheit noch mehr Macht über Dich.

Jedenfalls drücke ich die Däumchen. Du packst es schon!

"Wem das Wasser bis zum Halse steht, sollte den Kopf nicht sinken lassen."

In diesem Sinne …

Liebe Grüße von Rolfi

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