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Hamburg - Zirka drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schuppenflechte oder Psoriasis. Die Krankheit entwickelt sich zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und nimmt einen chronischen Verlauf. Rund 50 Milliarden Euro verursacht sie an Kosten pro Jahr. "In unserer ästhetisierten Welt hat ein Patient, der unter starker Schuppenflechte leidet, so gut wie keine Chance", berichtet Professor Kristian Reich vom Dermatologikum Hamburg.
An der Krankheit, die mit einem gesteigerten, quasi überdrehten Immunsystem einhergeht, sind genetische Faktoren Schuld. Sie greift oft auch auf die Gelenke über, wo sie Entzündungen und Schmerzen hervorruft. Die Behandlung der unheilbaren Erkrankung beschränkt sich notgedrungen auf die Linderung der Symptome.
Größter Hoffnungsträger dafür sind zur zeit die sogenannten "Biologics". Dabei handelt es sich um gentechnologisch hergestellte Medikamente aus veränderten lebenden Zellen, die die Aktivierung und Auswanderung von Entzündungszellen aus den Gefäßen blockieren. Der Wirkstoff wird unter die Haut gespritzt. Seit einem Jahr sind die Biologics "Raptiva" und "Enbrel" zugelassen, seit letzter Woche auch noch "Remicade". "Die Besonderheit bei Remicade ist die enorme, bisher bei keinem anderen Biologic bekannte Wirksamkeit", meint Reich. Eine Studie, die Reich gemeinsam mit Kollegen der Universität Manchester durchführte und die soeben in "Lancet" publiziert wurde, bezog 378 Patienten ein. Bei 80 Prozent der mit Remicade behandelten Patienten kam es zu einer 75-prozentigen Besserung. In der Placebo-Gruppe waren es hingegen nur ein bis drei Prozent.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Enbrel und Remicade einerseits und Raptiva andererseits besteht in der Sicherheits-Datenlage. Während mit Enbrel und Remicade aufgrund ihres Einsatzes bei Gelenkrheuma bereits mehrere Hunderttausend Patienten behandelt wurden, liegen für Raptiva erst Daten zu einigen Tausend Patienten vor. Im Juli warnte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA: Bei vier von 10 000 Patienten kam es zur teilweisen Zerstörung der roten Blutkörperchen.
Reich bewertet die Biologics dennoch als Therapie der Wahl bei schwerer Schuppenflechte. Einziger Nachteil: Die Medikamente kosten pro Jahr rund 15 000 Euro. Dazu meint Reich: "Für die Krankenkassen kommen Biologics erst in Frage, wenn andere Medikamente versagt haben. Für mich als Arzt ist das schrecklich. Meist sieht man ja schon auf den ersten Blick, wann eine konservative Therapie zwecklos scheint. Bei fortgeschrittenen Gelenkentzündungen ist aber jeder Tag, der therapeutisch erfolglos verläuft, verlorene Zeit."