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Anfang Dezember '09 suchte ich einen Dermatologen, der sich um ein frisch aufgetauchtes ich nenn' es mal "kleines dickes Fibrom" von der Größe eines 1-Cent-Stücks am Knie kümmert, was sich offensichtlich entzündet hatte. Dass es möglicherweise entfernt werden muss, war mir von Anfang an klar.
Meine weiteren Überlegungen waren: wenn ich schon mal da bin, warum sollte er sich dann nicht auch bei der Gelegenheit meine derzeit unbehandelte Pso und die zahlreichen Muttermale näher anschauen?
Gesagt, getan: Köln ist in der Nähe und da ist die Uniklinik. Und dort wiederum eine Dermatologie-Abteilung. Termin vereinbart, Urlaub genommen und ab ging's in die sog. Privatambulanz.
Das Drumherum (in der Anmeldung in Erdgeschoss "Zeigen Sie mal Ihren Personalausweis!" "Sind Sie verheiratet?"... und andere sinnentleerte Fragen bei einem ambulaten Arztbesuchbesuch) näher zu schildern spare ich mir und Euch an dieser Stelle.
8. Etage. Kurz nochmal zur Sekretärin, dann ins "Wartezimmer" mit vier Stühlen und 10 Patienten auf dem Flur. Ich komme endlich nach fast einer Stunde dran. Ich war gut vorbereitet. Im Behandlungszimmer gebe ich der dort anwesenden Assistenzärztin mein sorgsam geschriebenes "Leidensblatt", auf dem alles meine Hautgeschichte betreffend in Stichworten chronologisch aufgeführt ist: vom ersten Auftreten, den bisherigen Behandlungen, den momentanen Medikamenten, den Pflegesalben (die ich mitgebracht hatte) etc. Dazu am Ende Fragen nach stat. Kurz-Aufenthalt, einer möglichen Kur, Infos zum Schwerbehinderten-Ausweis.
Sie wirft einen kurzen Blick auf das "Fibrom" und meint: "Das muss wohl weg. Aber warten wir auf den Prof."
Der Prof. tritt ein, begrüßt mich, wendet sich der Assi zu und fragt diese, was ich möchte. Das kam schon gut bei mir an. Irgendwie befand ich mich doch auch in diesem Raum und er hätte mich auch direkt ansprechen können. Naja. Sie wiederholt Bruchteile dessen, was auf meinem Blatt steht und es bleibt übrig: "Patientin kommt wg. der Pso und eines ... Latein, Latein ..." ich verstehe aber was von "Karzinom".
Der Prof., ein kleiner, schlanker Mann, spricht mit leiser Stimme, kaum verständlich, nuschelt Latein, nachdem ich ihm meine Beine und Arme gezeigt habe. "Da nehmen wir Daivonex" ist das einzige, was ich verstehe. Auf meine Frage, was das konkret ist, schaut er mich erstaunt und ärgerlich an. "Salbe." Er nuschelt weiter zur Assi, die fleißig in meine neue Akte schreibt. Er hält - so verstehe ich es - auch Bestrahlungen für möglich.
Dann soll ich ihm das "Fibrom" zeigen. Er zieht die Brauen in die Höhe und murmelt: "Dass sollte schnellstens entfernt werden." Zur Assi: "Machen Sie morgen einen Termin, wir versuchen das irgendwie dazwischen zu schieben."
Ich frage, was das denn nun sei, wenn's kein entzündetes Fibrom ist. Er wiederholt leise den lat. Fachausdruck. Ich: "Was ist das?" Er.: "Kann ernst sein, muss es aber nicht."
Dann verabschiedet er sich mit bravem Händedruck und will durch die Tür eilen. "Ich habe noch Fragen, Herr Prof. ..." Ein genervtes "Ja, was denn?" folgt. Ich frage nach der Kur und erwähne Tomesa. "Ja, könnte angebracht sein." Ich frage nach dem Ausweis. Gegenfrage: "Haben Sie denn Gelenkprobleme? Nein? Dann vergessen Sie das. Zuerst muss sowieso das ... lat. Fachausdruck ... entfernt und ausgeheilt sein." haucht er und ist weg.
Die Assi nimmt sich etwas mehr Zeit für meine Fragen ("Kur könnten wir hinkriegen; wir würden das normalerweise unterstützen"). Was heißt normalerweise? Ich beschließe, nichts mehr zu fragen; es ist müßig und ich bin genervt und mag auch nicht mehr. Sie legt mir einen Anästhesie-Bogen zur Unterschrift vor. "Unterschreiben Sie das noch eben!" Ich unterschreibe noch ganz verwirrt von dem Eindruck dieses Arztbesuchs (sonst bin ich nicht so trottelig) und frage nach den Bestrahlungmöglichkeiten und nochmals nach der Salbe. "Bestrahlen können Sie, wo Sie wollen, das muss nicht hier bei uns sein; die Salbe ist so wie das, was Sie früher benutzten, ein Vit.-D-Präparat, nur besser, weiterentwickelter." Aha. Sie steht auf, wünscht mir einen schönen Abend und ist ebenfalls weg. Das Ganze hat ca. 10 min gedauert.
Auf dem Heimweg überlege ich, dass ich mir das "Fibrom" von einem guten, mir bekannten Chirurgen in Essen entfernen lassen werde. Laboruntersuchungen kann er sicher auch machen lassen. Morgen bin ich zur Vorstellung da. Noch ein Tag Urlaub...
Da mich das alles doch noch stark wurmte, habe ich dem Uniklinik-Prof. zwei Tage später einen Brief mit meinen Eindrücken geschrieben (Tenor: fühlte mich abgefertigt, nicht richtig wahrgenommen etc.), um meinen Frust loszuwerden. Er schrieb auch wider Erwarten ein paar Wochen später zurück. Es war der ärztliche Bericht, in dem er in einem Satz bedauerte, dass ich mich dort nicht gut aufgehoben fühlte. ZU seiner Ehrenrettung möchte ich erwähnen, dass er mit seiner Diagnose richtig lag.
Am 08.12. habe ich in den Kliniken Essen-Süd bei meinem heißgeliebten Chirurgie-Prof. das Ding am Knie kurz entfernen lassen; der Laborbericht ergab ein paar Tage später, dass es sich um eine gutartige Hautgeschwulst handelte.
Mein persönliches Fazit: ich denke, dass ich in einer Uniklinik nur gut aufgehoben bin, wenn ich mit meiner Erkrankung als ein interessanter, forschungswürdiger Fall angesehen werden kann. Mit "normalen" Erkrankungen werde ich nach dieser Erfahrung keine Uniklinik mehr aufsuchen.
Lieben Gruß
hörni