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Hallo zusammen,
hier folgt nun mein Erfahrungsbericht über meinen Aufenthalt in der Schlossklinik in Leutenberg im Thüringer Wald, vom 23.12.08 bis zum 16.01.09, 20 Tage.
Eins vorab… Ich bin erscheinungsfrei! Also absoluter Erfolg!
Das Krankenhaus, das Schloss liegt malerisch auf einem Berg, umgeben von Wäldern, die zu ausgiebigem Wandern einladen. Die Wege sind gut beschildert. Man kann sich nicht verlaufen.
Im Ort Leutenberg (zehn Minuten den Berg runter) befindet sich eine Apotheke, ein Supermarkt, ein Café und noch ein wenig mehr.
Saalfeld und Rudolstadt zum Shoppen sind in 30 bzw. 45 Autominuten zu erreichen.
Kulturmäßig habe ich mich leider nicht umgesehen. Nach Weimar benötigt man sicher gut über eine Stunde.
Die Ärzte sind super engagiert.
Der Chefarzt ist ein Visionär, der seine ganze Energie in die Gesundung seiner Patienten legt. Er hat selbst Kinder mit Neurodermitis, eine Klinik in Israel aufgebaut und eine weitere Hautpraxis. Der Oberarzt setzt verstärkt auf den Selbstheilungsprozess, das hat mich sehr angesprochen. Die Oberärztin ist mega kompetent und selbst Neurodermitikerin. Die Krankenschwestern sind hilfsbereit und freundlich. (Es sei denn, man spricht sie fünf Minuten vor halbsieben während ihres gemeinsamen Frühstücks an.)
Die Klinik arbeitet mit dem ganzheitlichen Gedanken, also Maßnahmen zur Zielerreichung in den Bereichen Körper, Geist und Seele. Hier wird jedes Wehwehchen, jede Lebenssituation ernst genommen.
Super wichtig: Man muss sich einlassen, sonst nutzt das alles nichts.
Drei bis viermal am Tag wird gesalbt. Damit man sich nicht die Kleidung versaut, wird die Unterwäsche vom Krankenhaus gestellt (lange Männerunterhosen und langärmelige Unterhemden, Feinripp, die Hosen mit Eingriff!). Meine erste Unterhose gab es in XXL. Wer meine Statur kennt, weiß, wie sexy ich aussah. Das einzig Beruhigende war, dass wir alle so gekleidet waren. Über der Unterwäsche haben die Damen aber doch Joggingsachen oder eine weite Jeans getragen.
Also wer seine Optik nicht mal drei Wochen über Bord werfen kann, hat hier nichts zu suchen. Jegliche Kosmetika wurden verbannt. Wir bekamen lediglich ein Teershampoo und Kernseife.
Und kurschattenmäßig lief bei dem Aussehen natürlich überhaupt nichts, obwohl… da war so n Großer mit Dreitagebart und wunderschönen Augen… Voll mit so ner quietschgelben Creme… Da hätte ich bestimmt Chancen gehabt… Aber ich war wohl zu sehr auf dem Gesundheitstrip als dass ich fürs Flirten Energie frei gehabt hätte. Außerdem passten ihm zwar diese Unterhosen besser als mir, aber super erotisch sah auch er nicht darin aus. Immerhin befanden wir uns in einem Krankenhaus und nicht in einem Wellnesscenter.
Je nach Ergebnissen der Werte von Blut, Urin und Stuhl wird man mit Vitaminen, Mineralstoffen, Enzymen, Folsäure und anderen guten Sachen voll gestopft.
Zweimal pro Woche gab es Autogenes Training, Tiefenentspannung, Sauerstofftherapie, Imagination (mein absolutes Highlight) und spezielle Muskelentspannung. Und für Neurodermitiker Magnetfeld und evtl. Inhalieren.
Von der Kantine wurde reine histaminfreie Kost angeboten. Unter anderem hieß das kein Alkohol, kein Kaffe und keine Schokolade und noch vieles mehr eben nicht. Ich gebe hier öffentlich zu, dass ich mit zwei Mitpatientinnen in diesen 20 Tagen dreimal ausgebüchst sind, um genüsslich Kaffee zu schlürfen. (Hoffentlich liest das jetzt keiner aus der Klinik.)
Und ich sag Euch, wer einmal Sylvester mit Stiefmütterchentee angestoßen hat und um 0.15h im Bett war, kann nur inständig auf Hautbesserung hoffen.
Es gibt in der Klinik Ernährungsberaterinnen, die dich genauestens auf die Zeit nach dem Klinikaufenthalt vorbereiten und allgemein aufklären. Aufgrund meines 17jährigen vegetarischen Daseins hatte ich gedacht, mich gesund zu ernähren, durfte jedoch noch viel Gutes lernen.
Ich konnte noch nie die negativen Diskussionen hier im Forum über den Zusammenhang Psoriasis und Ernährung leiden. Wer denkt, er verzichtet eine Woche auf Schokolade und ist dann geheilt, kann wirklich nur naiv sein. Meine Meinung hat sich nach dem Klinikaufenthalt noch verstärkt. Wer etwas über histaminfreie Kost erfahren möchte, kann googeln oder mich gerne ansprechen.
Über den gesamten Gesundheitskram hinaus hatte ich wunderschöne menschliche Begegnungen.
Einziger Nachteil der Klinik: Zweibettzimmer. Oder Einzelzimmer mit Kostenzuschlag. Aber wenn ich allein sein wollte, bin ich einfach wandern gegangen.
Also hier mein Fazit: Wer mal keinen Bock mehr hat auf seine Haut und gewillt ist, sich auf neue Ideen einzulassen… Mit ner Akuteinweisung ab nach Leutenberg!
Ich fands toll!
Rundum erneuert,
Gina