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Margitta

Psoriasis verstehen und Ihre Medikamente

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Margitta

Vielleicht kann mancher Betroffene es so leichter verstehen. Ich habe fest gestellt viele Betroffene auch bei uns in der Selbsthilfegruppe haben damit Schwierigkeiten.

 

Der Schlüssel zur Bekämpfung einer Krankheit liegt laut Herrn Dr. Bauer Uni - Würzburg darin, die Vorgänge zu verstehen. 

 

Bei der Psoriasis handelt es sich um eine chronische Entzündungskrankheit der Haut, die sich in roten Plaquesherden zeigt, die vor allem an Ellenbögen und Knien auftreten und schuppen.  Die Schuppenflechte tritt nur bei Patienten mit einer genetischen Veranlagung auf, häufig ausgelöst durch Reize wie vermehrtes Kratzen an einer Körperstelle oder auch durch Infekte. Eine solche  Reaktion auf besagte unspezifische Reize ist bekannt als Köbner-Phänomen.

Die Psoriasis tritt in Folge einer Immunreaktion auf. Das Immunsystem des Menschen besteht aus dem angeborenen Immunsystem, dem adaptiven Immunsystem und aus nicht-professionellen Entzündungszellen. Im Vortrag wird das angeborene IS als eine Art Verkehrspolizist umschrieben- sobald eine Gefahr erkannt wird, reagieren die Entzündungszellen der schnellen Immunantwort sofort. Das adaptive Immunsystem mit den so genannten T-Lymphozyten braucht etwas länger, es „merkt“ sich wie eine bestimmte Gefahr aussieht, erkennt diese ein Leben lang wieder – ähnlich einer Sondereinheit der Polizei. Bei der Psoriasis sind einige dieser T-Zellen übererregt. Nicht-professionelle Entzündungszellen, zu denen auch die Hautzellen gehören, können untereinander und mit den besagten Immunzellen über Botenstoffe kommunizieren und sozusagen eine Warnung senden. Wenn nun diese Entzündungszellen an einer gestressten Hautstelle ein Signal senden, gelangen die Botenstoffe, man nennt sie  Interleukine, an die besagte Stelle. Diese Botenstoffe „aktivieren“ wiederum das Interleukin 17 und den Botenstoff TNF-alpha, welche die Hautreizung auslösen.

Therapiert wird die Schuppenflechte durch klassische Therapien mit Ciclosporin, Fumarsäurederivaten (Fumaderm) und Methotrexat , wichtige Säulen der Therapie sind auch die Abschuppung, bei der mit salicylsäurehaltigen oder harnstoffhaltigen Cremes die Schuppen gelöst werden, oder Lokaltherapien mit wirkstoffhaltigen Cremes, beispielsweise mit Vitamin D, bei leichter Psoriasis. Ebenfalls wurde von einem König berichtet, der vermutlich auch an Psoriasis erkrankt war- er nutzte die sogenannte Badelichttherapie zur Behandlung. Im Zuge dessen ging er baden, um seine Haut abzuschuppen und legte sich anschließend in die Sonne. Diese Therapien wirken gut und sind verhältnismäßig preiswert. Auch Corticosteroide können für kleinere Bereiche über einen kurzen Zeitraum angewendet werden, jedoch nur kurzfristig, um nach dem Absetzen einen Rehborn-Effekt zu vermeiden. Die Psoriasis wird nach Leitlinien behandelt, welche von Experten festgelegt werden. Ein in diesen besagten Leitlinien wichtiger Begriff ist der PASIwert, durch den die Verbesserung der Symptomatik verschrieben wird- angestrebt wird mindestens PASI75, also ein 75%ige Verbesserung. Ebenfalls wichtig ist der Dermatologische Lebensqualitätindex DLQI, nach dem die Therapie ausgehend von der Lebensqualität des Patienten festgelegt wird.

Bei einer schweren Schuppenflechte ist eine Systemtherapie notwendig- als sehr wirkungsvoll haben sich Biologika erwiesen. Biologika sind Proteine, die nach ihrer Injektion gezielt in die Signalgebung eingreifen und somit eine Entzündungsreaktion verhindern. Die meisten Biologika sind künstlich hergestellte Antikörper gegen die Botenstoffe, sie werden sowohl bei Entzündungen der Haut als auch bei rheumatischen Erkrankungen und Morbus Crohn eingesetzt.  Momentan gibt es drei Therapieansätze mit Biologika: TNF-alpha-Antagonisten wie Infliximab und Adalimumab , Interleukin12/23- Antagonisten wie Ustekinumab und Interleukin17A-Antikörper wie Secukinumab. Wegen ihrer kostspieligen Herstellung und dem dementsprechend hohen Preis (pro Jahr kosten Biologika so viel wie ein Renault Clio) sind sie primär für die Behandlung von Patienten mit einer mäßig schweren oder schweren Psoriasis vorgesehen.  Als schwer wird die Erkrankung eingeschätzt, wenn sie 10% des Körpers (10 Handflächen) oder mehr bedeckt.

Langzeitstudien zeigen, dass bei der regelmäßigen Injektion von Biologika kein Wirkungsverlust eintritt- dies kann jedoch durch mehrmaliges Absetzen und anschließende Neuaufnahme der Proteine geschehen, da diese dann möglicherweise vom Körper als Gefahr identifiziert und abgestoßen werden.  Die Biologika werden unterschiedlich injiziert und auch in unterschiedlichen Zeiträumen verabreicht, zeigen jedoch kaum Unterschiede in der Wirksamkeit. Statistisch gesehen jeder zweite Patient zeigt eine Besserung durch das Verabreichen von Biologika, auch der PASIwert zeigt, wie wirksam Biologika sind. Jedoch darf die Pathogenese nicht außer Acht gelassen werden, man muss auch die Nebenwirkungen der verabreichten Proteine berücksichtigen. Durch die Einnahme von TNF-alpha-Blockern beispielsweise wird ein Botenstoff gehemmt, der auch in der Tumorabwehr eine zentrale Rolle spielt, ebenso bei einer HIV oder Hepatitis B/C Infektion und bei Tuberkulose.  Aus diesen Gründen sind Biologika nicht für Patienten mit einer latenten Tuberkulose geeignet, ebenso wenig für Patienten die eine vergangene oder gegenwärtige Krebserkrankung haben oder an HIV bzw. Hepatitis erkrankt sind. Durch das Unterdrücken des Botenstoffes wird teilweise eine leicht erhöhte Neigung zu atypischen Infektionen wie Lepra bedingt, was bei einer infektiösen Erkrankung durchaus berücksichtigt werden sollt

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Tessa

Guten Abend Margitta,

ein paar Fragen, Rehborn-Effekt  meinst du Rebound Effekt? Der ist bei mir immer nach einer Cortison Behandlung aufgetreten.

Sobald ich die Cortison Therapie beendet habe, kam die Pso doppelt so stark wieder.

Zu den Biologikas, Cosentyx ist, soviel ich weiß, leider nicht synthetisch hergestellt, sondern vom chinesischen Hamster.

Ich habe mich da jetzt nicht näher damit beschäftigt, da es das einzige Medikament ist was mir sehr gut hilft.

Interessant war auch die Info  -" Langzeitstudien zeigen, dass bei der regelmäßigen Injektion von Biologika kein Wirkungsverlust eintritt- dies kann jedoch durch mehrmaliges Absetzen und anschließende Neuaufnahme der Proteine geschehen, da diese dann möglicherweise vom Körper als Gefahr identifiziert und abgestoßen werden.  "  Ich habe mir schon überlegt, die Zeit etwas zu verlängern, das bedeutet nicht alle vier Wochen, sondern alle fünf Wochen, laufe ich damit Gefahr eines Wirkungverlustes?

 

Vielen Dank für die interessanten Infos.

Tessa

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RainerZ
vor 13 Stunden schrieb Margitta:

......

Langzeitstudien zeigen, dass bei der regelmäßigen Injektion von Biologika kein Wirkungsverlust eintritt-

....

Hallo,

dieser Satz steht im Widerspruch zu der Aussage von Frau Dr. Vogelgsang. Auf meine diesbezügliche Frage im Expertenforum hatte sie geantwortet, dass Wirkungsverlust möglich sei.

http://www.psoriasis-netz.de/community/topic/23405-stelara-wirkverlust/#comment-376310

Gruß

Rainer

Edited by RainerZ

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Margitta
vor 19 Stunden schrieb Tessa:

Guten Abend Margitta,

ein paar Fragen, Rehborn-Effekt  meinst du Rebound Effekt? Der ist bei mir immer nach einer Cortison Behandlung aufgetreten.

Auch Corticosteroide können für kleinere Bereiche über einen kurzen Zeitraum angewendet werden, jedoch nur kurzfristig, um nach dem Absetzen einen Reborn-Effekt zu vermeiden. Die Psoriasis wird nach Leitlinien behandelt, welche von Experten festgelegt werden.

Sobald ich die Cortison Therapie beendet habe, kam die Pso doppelt so stark wieder.

Zu den Biologikas, Cosentyx ist, soviel ich weiß, leider nicht synthetisch hergestellt, sondern vom chinesischen Hamster

Dazu werde ich Dr. Bauer am 27.12.fragen, interessiert mich jetzt selbst.

Ich habe mich da jetzt nicht näher damit beschäftigt, da es das einzige Medikament ist was mir sehr gut hilft.

Interessant war auch die Info  -" Langzeitstudien zeigen, dass bei der regelmäßigen Injektion von Biologika kein Wirkungsverlust eintritt- dies kann jedoch durch mehrmaliges Absetzen und anschließende Neuaufnahme der Proteine geschehen, da diese dann möglicherweise vom Körper als Gefahr identifiziert und abgestoßen werden.  "  Ich habe mir schon überlegt, die Zeit etwas zu verlängern, das bedeutet nicht alle vier Wochen, sondern alle fünf Wochen, laufe ich damit Gefahr eines Wirkungverlustes?

Liebe Tessa soll ich Dr. Bauer um seine  Meinung bitten?

Vielen Dank für die interessanten Infos.

Tessa

 

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Margitta
vor 6 Stunden schrieb RainerZ:

Hallo,

dieser Satz steht im Widerspruch zu der Aussage von Frau Dr. Vogelgsang. Auf meine diesbezügliche Frage im Expertenforum hatte sie geantwortet, dass Wirkungsverlust möglich sei.

http://www.psoriasis-netz.de/community/topic/23405-stelara-wirkverlust/#comment-376310

Gruß

Rainer

Lieber Rainer, dann sind zwei Ärzte eben verschiedener Meinung, soll es ja geben. Ich selbst finde Dr. Bauer sehr kompetent.

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Tessa

Hallo Margitta,

wenn du die Möglichkeit hast, würde mich die Meinung von Dr. Bauer zu diesem Thema sehr interessieren.

Vielen Dank im Voraus

Tessa

vor 1 Stunde schrieb Margitta:

Liebe Tessa soll ich Dr. Bauer um seine  Meinung bitten?

 

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Guest

Liebe Margitta,

das wäre super, wenn du hier die Meinung von Dr.Bauer einholen kannst für alle die diese Frage nach dem Wirkverlust bei den Biologikas umtreibt !

Mich würde ja interessieren, was es Neues zu den Erkenntnissen der Uni Würzburg von Juni 2016 zu der Beteiligung der B-Lymphozyten und dem IL-10 bei der Psoriasis gibt...

https://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/schuppenflechte-neue-details-entschluesselt/

Aber das ist vermutlich zu wissenschaftlich und nicht Dr. Bauers Gebiet. :( Irgendwann werden wir es hoffentlich erfahren.

Ich finde es sehr lieb von dir, dass du dieses Thema eröffnet hast und das wo es dir ja gerade selbst nicht gut geht... Danke dafür :daumenhoch:

Liebe Grüße

Edited by HLA-B27

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Margitta

Hallo liebe Teresa, 

 

glaube das Dr. Bauer schon mitarbeitet im wissenschaftlichen Bereich .

Werde mir morgen deine Fragen raus kupieren und ausdrucken und mitnehmen.

Ich setze gerade alle Hoffnungen auf Dr. Bauer, was ich an seinem Vortrag toll fand er hat so gesprochen das es fast jeder verstehen konnte. Er hat auch unsere Zusammenfassung Korrektur gelesen. 

Abendgruß 

Margitta

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Tessa

Liebe Margitta,

danke für deine Mühe, zum Nachtrag, ich habe eine sehr spezielle Art der Pso.

Sie heißt Psoriasis pustulosa generalisata, typ zumbusch.

Vielleicht, wenn es nicht zu problematisch ist kannst du Dr. Bauer fragen ob er jemand

kennt der dieselbe Form der Schuppenflechte hat.

Gruß Tessa

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Margitta

Hallo Tessa,

Zu den Biologikas, Cosentyx ist, soviel ich weiß, leider nicht synthetisch hergestellt, sondern vom chinesischen Hamster.

Muss mich anstrengen das ich lesen kann was er notiert hat!!

Antwort von Dr. Bauer:  Pur Eizellen von einem Hamster die technisch......zwei Worte die ich nicht entziffern kann!

Biologische Technik

Interessant war auch die Info  -" Langzeitstudien zeigen, dass bei der regelmäßigen Injektion von Biologika kein Wirkungsverlust eintritt- dies kann jedoch durch mehrmaliges Absetzen und anschließende Neuaufnahme der Proteine geschehen, da diese dann möglicherweise vom Körper als Gefahr identifiziert und abgestoßen werden.  "  Ich habe mir schon überlegt, die Zeit etwas zu verlängern, das bedeutet nicht alle vier Wochen, sondern alle fünf Wochen, laufe ich damit Gefahr eines Wirkungverlustes?  

Antwort: Nein, das geht so bestimmt.

Mich würde ja interessieren, was es Neues zu den Erkenntnissen der Uni Würzburg von Juni 2016 zu der Beteiligung der B-Lymphozyten und dem IL-10 bei der Psoriasis gibt...

Antwort: Das wird noch dauern

Sie heißt Psoriasis pustulosa generalisata, typ zumbusch.

Vielleicht, wenn es nicht zu problematisch ist kannst du Dr. Bauer fragen ob er jemand

kennt der dieselbe Form der Schuppenflechte hat.

Antwort: Solche Patienten haben wir schon auch, meist schwer zu behandeln, oft zumindest ein stationärer Aufenthalt.

Kann dir jedoch auch das Papier zusenden wenn du möchtest.

Lieben Gruß

Margitta

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Der_Björn
vor 10 Minuten schrieb Margitta:

Hallo Tessa,

Zu den Biologikas, Cosentyx ist, soviel ich weiß, leider nicht synthetisch hergestellt, sondern vom chinesischen Hamster.

Muss mich anstrengen das ich lesen kann was er notiert hat!!

Antwort von Dr. Bauer:  Pur Eizellen von einem Hamster die technisch......zwei Worte die ich nicht entziffern kann!

Biologische Technik

 

Hallo Margitta

Ich habe mir mal erlaubt, ein paar Zeilen einzufügen, vielleicht ist es ja von Interesse, was den Hamster angeht 

Liebe grüße 

Björn

Alle in den hunderten von Laboratorien und Produktionsanlagen der ganzen Welt heute gehaltenen CHO-Zellen stammen von einem einzigen chinesischen Zwerghamster ab, der 1957 im Labor von Theodore T. Puck an der University of Denver, Colorado, lebte und starb. Es muss ein ungewöhnliches Tier gewesen sein, denn Puck berichtete begeistert: „In Kultur gehaltene Zellen aus Lunge, Niere, Milz und dem Ovar dieses Tieres haben sich ausgezeichnet vermehrt; und die aus dem Ovar konnten schon länger als zehn Monate in Kultur gehalten werden, ohne dass die Vermehrungsrate nachgelassen oder sich die Gestalt der Zellen verändert hätte (J. Exp. Med. 108, 945 ff., 1958; zitiert aus „Biopharmazeutika - Hightech im Dienst des Patienten", Broschüre des vfa, 2010). 
 

 Heute werden etwa 70 Prozent der rekombinanten biopharmazeutischen Wirkstoffe für menschliche Medikamente in Zellen hergestellt, die sich von der immortalisierten Primärkultur von Ovarienzellen dieses einen Hamsterweibchens ableiten.    

 

 

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