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Margitta

Psoriasis-Vortrag aus der Vitalklinik Alzenau SHG Ostheim

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Margitta

Psoriasis

Psoriasis, also die Schuppenflechte, tritt mit etwa der gleichen Häufigkeit wie Diabetes bei – ca. 2-3% der Bevölkerung auf, Männer und Frauen zu gleichen Anteilen. Meist verläuft die Krankheit mit mittlerer Schwere.  Eine Gelenkbeteiligung tritt häufiger auf als man dachte, 20-30% der Erkrankten haben damit zu kämpfen, problematisch ist, dass die Gelenkbeteiligung in jedem Alter auftritt, in seltenen Fällen sind die Gelenke sogar noch vor der Haut angegriffen. Man kann zwei Typen der Psoriasispatienten unterscheiden:
Bei Typ 1 beginnt die Schuppenflechte vor dem 40.Lebensjahr, meist sind die betroffenen Patienten mit familiärer Vorgeschichte, bei ihnen kommt es zu einem chronisch-schubweisem Verlauf. „Ausgangspunkt“ ist nicht der eine Genort, an dem die Veränderung sichtbar ist, sondern es sind immer mehrere Gene betroffen und es gehören noch weitere Auslösefaktoren dazu (=70% der Patienten).

Bei Typ 2 ist die Schuppenflechte meist etwas geringer ausgeprägt, es besteht kein familiärer Hintergrund – in diesem Fall fängt die Krankheit später an als bei Typ 1 und lässt sich häufig wieder stabilisieren.

Im Gegensatz zur Neurodermitis, der eine Barrierestörung der Haut zugrunde liegt, weshalb diese trocken ist und nicht rückfetten kann, sind die Auslöser für die Schuppenflechte eine kutane Entzündung und eine zu schnelle Erneuerung der Oberschicht. In einer Sensibilisierungsphase entwickeln sich unter dem Einfluß dentritischer Zellen spezielle T-Lymphozyten. Nach einer Latenzphase wird durch ein Ereignisdas Immunsystem angekurbelt und stellt Abwehrzellen bereit, was zu einer Entzündundungskaskade führt, die sich dann weiterentwickelt.  Auch haben Psoriatiker eher mit Begleiterkrankungen zu tun als Patienten, die von der Neurodermitis betroffen sind.

Schuppenflechte gilt heute als Systemerkrankung, da neben der Psoriasis-Arthritis auch Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung,  chronisch entzündliche Darmerkrankung und Depression auftreten. Vor allem Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung führen zu einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Schuppenflechte wird in verschiedene Formen eingeteilt:

Bei der Psoriasis vulgaris haben es die Betroffenen meist mit den typischen Plaques an Ellenbogen, Knien, an der Lende und im Steißbereich zu tun.

Zu den Unterformen des akut exanthematischen Typs kommt es häufig nach einer Mandelentzündung, der Auslöser sind Streptokokken. Aus diesem Grund werden Patienten, die vor kurzem daran erkrankt waren und jetzt kleine, schuppende rote Herde über den ganzen Körper verteilt haben, meist zu einem HNO oder Zahnarzt geschickt, um sich auf einen Streptokokkenfokus untersuchen zu lassen. In manchen Fällen wird auch zu einer Entfernung der Mandeln geraten, manche Patienten haben chronisch verkapselte Herde in den Mandeln und sind nach dem Eingriff dann beschwerdefrei.

Die Psoriasis inversa zeigt Hautveränderungen, die unter anderem an den Ellenbeugen oder Kniekehlen, also an Stellen, die normalerweise bei Neurodermitis betroffen sind, auftritt. Da in etwa 5% eine Überschneidung von Psoriasis mit Neurodermitis verliegen, kann die Unterscheidung schwierig sein, was bedeutet, dass Patienten an beiden Erkrankungen leiden. Besonders bei Kindern sind die beiden Krankheitsbilder manchmal schwer zu unterscheiden.

Patienten, deren Haut bei den typischen Behandlungen schnell überreizt, sollten sich die Frage stellen, ob sie möglicherweise an einer begleitenden Neurodermitis leiden, bei der die Haut empfindlicher ist als bei der Schuppenflechte.

Die intertriginöse Form tritt häufig in Kombination mit einer anderen Formen der Schuppenflechte auf und zwar dort, wo Haut auf Haut trifft, also beispielsweise unter der Brust, in den Leisten oder bei korpulenteren Patienten unter der Bauchfalte.  Sie ist schwierig zu behandeln, da die Haut permanent der Reibung ausgesetzt ist und häufig auch Schweiß als zusätzlicher Reizfaktor hinzukommt. 

Maximalform der Psoriasis ist die Erythrodermie, hierbei ist der ganze Körper betroffen.

Auch gibt es pustulöse Formen, bei denen sich kleine gelbliche Bläschen bilden. Diese treten entweder palmoplantar, also an Händen und Füßen auf, oder die Bläschen befinden sich am ganzen Körper auf den roten Plaques, sie platzen auch schnell.

Eine weitere Form ist die Sebopsoriasis, die oft mit Stress verknüpft und bei der hauptsächlich das Gesicht betroffen ist.

Bei der Akrodermatitis suppurativa Hallopeau sind die Bläschen im Bereich der Nagelregion an den Fingern und Zehen, diese Entzündung führt Zerstörung der Nagelplatte bis zum Nagelverlust.

Viele Patienten sind auch von Nagelveränderungen betroffen, gerade wenn ein Risiko auf Gelenkbeteiligung besteht. Häufig haben Betroffene Tüpfelnägel oder einen Ölfleck unter den Nägeln, auch kann es sein, dass die Nägel dick und krümelig werden.

Gerade die Psoriasis-Arthritis ist häufig gelenkzerstörend und sollte deshalb medikamentös behandelt werden – sie betrifft oft die distalen Gelenke an Zehen und Fingern oder nur einen einzelnen Strahl an der Hand.  Deshalb sollte man hellhörig werden, wenn ein Gelenkstrahl betroffen ist.

Wenn Unsicherheiten bestehen, ob es sich um Arthrose, etwas Rheumatisches oder doch Psoriasis arthropathica handelt, ist ein Rheumatologe die beste Anlaufstelle. Der Rheumafaktor oder HLA B27 können bestimmt werden, sind meist aber normal.

Bei Psoriasis tritt oft eine Stoffwechselbeteiligung auf, die Patienten bekommen Probleme mit Blutwerten wie dem Blutfettwert, den Zuckerwerten, oft kommt es zu Blutdruckerhöhungen. Das sich daraus entwickelnde metobolische Syndrom kann zu einer vorzeitigen Arterienverkalkung führen kann.   Deshalb ist Übergewicht sehr riskant bei Psoriatikern, sie haben einen schwierigeren Krankheitsverlauf und neigen zu Zusatzerkrankungen.

Auch das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko steigt wegen dieser Faktoren bereits in jungen Jahren, das Bauchfett produziert zusätzlich Entzündungen.

Die Schmerzen und der Juckreiz können, gerade weil eine Hauterkrankung noch dazu ein sehr offensichtliches Leiden ist, zu Depressionen führen – die Psyche leidet unter der ständigen körperlichen Belastung. Es kann jedoch auch andersrum sein, durch eine Depression kann die Psoriasis getriggert werden.

Ebenso besteht ein höheres Risiko für Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.

Zusätzliche Risiken bieten Faktoren wie das Rauchen oder Alkohol. Bei der Bläschenform an Händen und Füßen, wo die Nikotinrezeptoren sind wird das Krankheitsbild durch Rauchen verschlimmert. Durch übermäßigen Alkoholkonsum werden die Durchblutung und der Juckreiz erhöht, man verliert die Kontrolle darüber.

Die Psoriasis wurde lange Zeit nur als Hautkrankheit gesehen, es handelt sich aber um eine Stoffwechselerkrankung, die eben auch die Haut mit einbezieht.

                                                                  Übergewicht

Psoriasis                                            +     Rauchen                     Chronische systemische Entzündung

                                                                  Alkohol

In Folge dessen kommt es zum metabolischen Syndrom – die Stoffwechselparameter steigen an, auch die Harnsäurewerte, das kann zu Diabetes und Bluthochdruck führen. Die Blutgefäße werden angegriffen, auch das Risiko für Arteriosklerose steigt signifikant an.

Wenn sich ein Schub ankündigt sollte man immer schauen, was im Vorfeld war, den Wert der Aspartat-Aminotransferase (AST) bestimmen, und zum HNO und Zahnarzt gehen.  Auch Stress oder ein Trauma kann Schübe lostreten, genauso wie die Einnahme von Betablockern, Anti-Malariamittel oder Blutdruckmittel. Neben der seelischen Belastung kann auch eine hormonelle Umstellung, wie die Menopause oder die Pubertät, oder ein Klimawechsel Trigger für Schübe sein. 1872ern wurde das Köbner-Phänomen entdeckt, welches besagt, auch dort wo unbefallene Haut verletzt oder gereizt wird oder Reibung und Druck ausgesetzt wird, neue Psoriasisplaques entstehen können. Zu Köbners Zeiten war der Trigger ein Pferdebiss, heutzutage tritt das Phänomen unter anderem bei frisch gestochenen Tattoos auf. Chemische Reize oder sehr häufiges Händewaschen können der Grund für das Ausbrechen der Krankheit an den Händen sein.

                             

3 Säulen der   Behandlung

 

 

  Man startet eigentlich immer mit Lokalbehandlung und muss versuchen, die Schuppenschicht wegzubekommen, beispielsweise mit 10% Ureacreme oder Salicylmischungen. Mahonia kann als unterstützende Maßnahme verwendet werden. Wichtig ist eine kontinuierliche Pflege.

Eine typische Behandlung ist die Minutentherapie, bei der Dithranol oder Cicnolin für 10-20 Minuten aufgetragen und dann wieder entfernt wird.

Seit 1959 wird Fumarsäure als Individualrezeptur angewendet, Fumaderm, welches heute im Einsatz ist, ist seit 1995 auf dem Markt. Auch Methotrexat ist altbewährt.

Bei einer Gelenkbeteiligung kann jedoch Fumarsäure nicht für die Behandlung genutzt werden, auch Cyclosporin ist nur für die Haut gut.

Cortison sollte gemieden werden, gerade Patienten, die es in Tablettenform einnehmen, haben häufig mit einem Rebound zu kämpfen.

Die Vitalklinik beruft sich auf altbewährte Präparate, sie führen die Behandlung mit Biologica weiter aber fangen sie nicht an.

Sie therapiert hauptsächlich durch intensive Salben- oder Lichtbehandlung.

Bei der Bläschenform der Psoriasis werden Vitamin-A-Präparate eingesetzt, wie z.B. Neotigason oder Roacutan.

Die Biologica sind für die Psoriasis weiter als für die Neurodermitis, es gibt eine Auswahl an verschiedenen Präparaten die aber sehr teuer sind. Die Wirkung muss langfristig beobachtet werden, es braucht viele Kontrollen wie Röntgen oder ein Blutbild. Die Erfolgsquoten werden nach 12 Wochen Behandlung beurteilt.

Man sollte bei einer Gelenkbeteiligung das einnehmen, was schon lange auf dem Markt und gegen Rheuma bewährt ist. Apremilast, ein Biologicum, wird als Tablette verabreicht, was sehr komfortabel ist, kann aber zu Magen-Darm-Nebenwirkungen führen. Es kann als erster Versuch bei der Anwendung von Biologica genutzt werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichskeit ist die Balneo. Photo-Therapie, bei der man in Salzwasser badet und anschließend bestrahlt wird. Auch werden Bade- oder Creme PUVA zur Behandlung eingesetzt, hinterher sollte man aber wirklich nicht in die Sonne gehen, da Psoralen eine Substanz ist, die die Haut lichtempfindlich macht.  Man badet ca. 20minuten darin, danach wird in der Lichtkabine UVA angewendet. Es gibt auch Lasertherapie, diese ist aber sinnlos, wenn ein großflächiger Befall vorliegt. Der Versuch einer ambulanten Lichttherapie wurde nicht weiterverfolgt, diese ist oft mit extremen Stress für die Patienten verbunden. Essentiell ist, vor dem Beginn einer Lichttherapie mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, ob Medikamente eingenommen werden, die bei einer Lichttherapie problematisch werden könnten.

Das Wichtigste jedoch ist, dass sie nicht vergessen dass sie „hauptberuflich“ Mensch sind und nicht Psoriatiker – sie definieren sich über ihren Charakter und nicht über ihre Krankheit!

Verfasser Amelie Weydringer  Vortragende Ärztin: Frau Dr. Wienke-Graul Vital-Klinik

Grafik „3 Säulen“ : http://www.sparen-anlegen-vorsorgen.de/altersvorsorge_3-saeulen

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