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Hubertus

Psychisch plötzlich ganz tief unten

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Hubertus

Ihr Lieben,

nun muss ich mir das mal von der Seele schreiben. Keine Ahnung, ob die Kategorie passt (@Admin: diesen Post bitte ggf. verschieben) oder es jemanden interessiert.

Ich bin 48 Jahre alt und habe seit meiner Jugend eine mittelschwere bis schwere Psoriais und zunehmend auch Psoriasis Arthritis. Sehr lange kam ich mit Salben ganz gut zurecht, die Arthritis habe ich lange einfach ignoriert. Aber vor etwa 15 Jahren musste ich anfangen etwas tun. Gelenkschmerzen verbunden mit einer großen Müdigkeiten wurden schlimmer. An den Gelenken 2x lokale nuklearmedizinische Behandlung, dann irgendwann innere Medikamente für Haut und Gelenke. Fumaderm, MTX, Otezla, nichts hat geholfen bzw. waren die Nebenwirkungen zu groß.

Vor einem Jahr habe ich dann - nach einer Antibiotika-Therapie wegen latenter TBC - Cosentyx bekommen. Innerhalb weniger Wochen war die Haut fast erscheinungsfrei, aber das Beste war: De Gelenkschmerzen, die Müdigkeit und Abgeschlagenheit waren weg! Letzteres hatte sich über die Jahre schleichend immer verschlimmert, dass ich wohl gar nicht merkte, wie viel meine Antriebslosigkeit mit der Krankheit zusammenhing. Hatte es nur auf den Stress im Job geschoben. Aber plötzlich habe ich mich wie neu geboren gefühlt, voller Elan und Tatendrang!

Seit einigen Wochen ist die Pso aber vor allem auf dem Kopf und - das ist neu - im Gesicht mit voller Wucht zurück. Außerdem habe ich am gesamten Körper fiese und teilweise schmerzhafte Pickel und Abzesse, vielleicht eine Nebenwirkug von Cosentyx.

Meine Hautärztin weiß nicht mehr weiter und hat mich in eine dermatologische Tagesklinik eingewiesen. Da werde ich nun intensiv untersucht. Abstriche, Gewebeproben, Bluttest etc. - Wahrscheinlich soll ich auf Taltz umgestellt werden.

Aber.... als ich das erste Mal in der Klinik war, bin ich nervlich zusammengebrochen, habe auf einmal geheult wie ein Schlosshund. Die Krankheit, die ich über all die Jahre immer ganz gut managen konnte, hat mich plötzlich psychisch umgehauen. Ich könnte nur noch weinen, habe Angst, weiß nicht mehr, wie ich meinen Job noch ausüben soll (bin selbständig und ein gelber Schein bringt mir nichts)... fühle mich ganz plötzlich elend, schach und muss oft weinen. 

Ich weiß, meine Geschichte ist sicher nicht einmalig, und rein objektiv ist ja auch alles nicht so schlimm. Sooooo schlimm ist meine Pso nicht, Pickel sind nicht lebensbedrohlich, und ich habe tolle Ärzte und das Glück in einer großen Stadt mit großem medizinischen Angebot zu wohnen. Trotzdem.... ich bin gerade ganz tief unten.

Wer kennt sowas? Hat jemand vielleicht einen Ratschlag, was man machen kann?

Herzlichen Dank und liebe Grüße

Hubertus

 

 

 

 

 

 

 

 

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Matjes

Hallo Hubertus,

ich könnte mir vorstellen, dass sich in den letzten Jahren so einiges angesammelt hat, was du ignoriert hast, gut verstecken konntest oder zumindest versucht hast, nicht an die Oberfläche kommen zu lassen. - psychisch . 

Irgendwie sind doch immer die Ängste da, " wie soll es weitergehen , wird es noch schlimmer etc. "

Es könnte sein, das das jetzt einfach mal raus mußte .  Das braucht seine Zeit, lass es zu . Das ist nicht einfach, das weiß ich , hatte selber schon solche Zeiten, wo ich total mutlos war und verzweifelt. 

Hast du jemanden, mit dem du darüber reden kannst? Das hilft manchmal auch schon etwas weiter. 

Manchmal hat man auch nicht den Mut sich jemandem anzuvertrauen, weil man denkt, man wird nicht ernst genommen oder es versteht eh keiner. Das kenne ich auch.

Denk jetzt einfach mal an dich und tu das was dir gut tut. Vielleicht hast du in der Klinik die Muße , innerlich zur Ruhe zu kommen. 

Hast du es schon mal mit einem Entspannungskurs versucht? 

Vielleicht einfach so für dich selber mit einer CD oder so? Mir hat das immer geholfen, ruhig zu werden .

Ich hoffe, ich konnte dir ein bißchen Mut zusprechen , bestimmt meldet sich noch der ein oder andere . 

Erst einmal alles Gute für dich - und schreib dir ruhig einfach alles von der Seele. 

Lieben Gruß, Martina:)

 

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sia

Matjes hat das meiste schon gesagt. Nach deiner Beschreibung habe ich auch den Eindruck, dass du lange Zeit deine Ängste weg geschoben hast. Dagegen ist im Prinzip auch gar nichts zu sagen, nur manchmal muss man sich ihrer zumindest bewusst machen und ihnen "den richtigen Platz" zuweisen. Sonst vermehren sie sich wuchernd und überrennen den Rest vom Selbst - und zwar meistens dann, wenn der Rest kurz entspannt. 

Du kannst stolz auf dich sein, dass dieser Teil von dir gewartet hat, bis es rel. gefahrlos möglich ist sich zu melden - das ist eben jetzt.

Dass du hier schreibst ist ein guter Schritt und wie Matjes scheibt ist es auch wichtig mit anderen Menschen zu reden. Manchmal ist es einfacher das mit jemand zu tun den man nicht kennt und der einen 'professionellen Abstand' zu einem hat. Einige Stunden bei einem Psychologen oder sogar einem guten Coach können sehr viel Klarheit bringen.

Auch die von Matjes angesprochene Entspannung kann helfen. Da gibt es vielfältige Möglichkeiten. Wobei es gar nicht 'ruhig' sein muss. Vielleicht findest du Entspannung in einem Sport, einem Kochkurs oder einem Hobby. Nur muss es am besten regelmäßig sein - als feste Verabredung mit dir selber.

Erfolg und Stärke!

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Hubertus

Hallo Matjes und Sia,

ganz herzlichen Dank für Eure schnellen und lieben Antworten, das tut schon mal sehr gut. Danke!

Ja, es stimmt, dass ich vielleicht gut bin im Verdrängen, aber bei der PSO war das sogar ganz bewusste Absicht. Ich wollte der Krankheit einfach nicht zu viel Raum geben; aber schleichend wurde sie immer schlimmer, und jetzt plötzlich muss ich mir eingestehen, dass sie mein Leben und auch meine Psyche viel mehr beeinflusst als ich wahrhaben wollte. Mit dieser Erkenntnis muss ich erstmal klar kommen.

Vielen Dank für Eure Tips. Ich gehe regelmäßig mit dem Hund durch den Wald joggen, das tut sehr gut. Dieses monotone Laufen ist sozusagen meine Art der Meditation. Aber den Hinweis, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, werde ich sehr ernst nehmen. (Ich war vor Jahren mal einige Sitzungen bei einen Psychologen , der mir zu verstehen gegeben hat, ich solle mich doch nicht so anstellen; seitdem bin ich skeptisch oder habe Angst, wieder an einen für mich falschen Therapeuten zu geraten.)

Meine Frau ist superlieb und versucht mir zu helfen, aber letzten Endes versteht sie auch nicht immer, warum ich so schlapp und niedergeschlagen bin und sagt dann auch nur, ich solle mich zusammenreißen. Da mache ich ihr keinen Vorwurf, es ist ja auch für einen gesunden Außenstehenden schwer zu verstehen. Deshalb ja.... ein Profi ist eine gute Idee.

In jedem Fall haben Eure Reaktionen für den Moment, so als 1. Hilfe, wirklich geholfen. Ich kann zwar gerade immer noch heulen, aber es geht schon besser. Danke.

 

 

 

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Nüsschen

Hallo Hubertus,

es ist schwer einen guten Psychologen zu finden. Die Chemie muss stimmen, wie man so sagt. Ich hatte Glück, gleich an die Richtige zu geraten. Mittlerweile bin ich vier Jahre in psychologischer Betreuung und bin noch lange nicht da wo ich sein will, aber die Pso beherrscht meine Seele und meinen Körper nicht mehr, sondern ich sie.

Manche KK bezahlen auch autogenes Training. 10 Sitzungen und man fühlt sich befreiter. Natürlich muss man sich darauf einlassen können.

LG Nüsschen

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Miss_Ella

Hallo Hubertus,

geht mir gerade ähnlich (und auch selbständig...) - aber:

Mir hilft tägliches meditieren, ganz bewusst nach Innen gehen und die körperlichen Sinne mal ausser Acht lassen, es erinnert mich daran dass mich die PSA nicht definiert, dass ich längst nicht nur Körper bin, sondern viel mehr.  

Ich wünsche dir viel Kraft und Mut und denke auch dass es wichtig und nötig war, alles rauszulassen.

Alles Gute!

Miss Ella.

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Rose63
Geschrieben (bearbeitet)

Guten Abend Hubertus,

oh ja, ich kann gut mitfühlen wie es dir gerade geht. Jahrelang hab ich auch die Starke gegeben. Ja keine Schwäche zeigen. Über den Dingen stehen. Und dann auf einmal ist die Seele übervoll mit Trauer und Leid. Alles wird Zuviel. 

Inzwischen habe ich gelernt auch die Trauer zuzulassen. Das ist ebenso wichtig wie Freude, wohlfühlen usw. Ein Gefühl dass die Seele braucht. Und ein Gefühl dass normal ist. Zum Menschen gehört. 

Schwach sein, durchhängen, das ist völlig ok. Ein Leben mit so einer Erkrankung kostet Kraft. Ist nicht einfach. Deshalb braucht es auch mal ausruhen, durchhängen, Tränen zulassen. Ich gönne mir solche Phasen ganz bewußt. Das Weinen begrenze ich. Drei Stinden so richtig schlecht fühlen ist erlaubt. Dann lenke ich mich ganz bewußt davon ab. Auch Ruhe und Antriebslos sein. Was ist daran falsch. Wenn man so ausgezehrt ist, muß doch wieder aufgefüllt werden. Erst mal gerastet und dann langsam starten. Wir sind Menschen, keine Maschinen und selbst die muß man mal abschalten und warten, damit sie dann wieder rund laufen.

und weißt du, wird der starke Maxe mal schwach hat das Umfeld Probleme damit. Sie kennen ja nur den Tapferen Durchhalter. Wenn mich dann jemand in meiner Erschöpfung und Mutlosigkeit, in der Trauer versucht mit Durchhalte Parolen zu motivieren, sage ich ganz deutlich NEIN. Ich brauch jetzt Zeit zum Ausruhen. Zeit zu weinen. Zeit mich schwach  zu fühlen. Wenn ich damit fertig bin, dann brauch ich auch deine Schubser nicht mehr. Danke für deine Sorge, aber lass mich mal da wo ich gerade bin. 

Und ich habe festgestellt dass ich nicht immer „rauf auf den Berg“ muß, im Tal sitzen und raufschauen  ist auch mal recht nett. Eröffnet neue Perspektiven. 

Es sind nicht alle Psychologen eine wirkliche Hilfe. Solche Sprüche braucht kein Mensch, wie du dir anhören mußtest. Gute machen erst mal eine Schnupperstunde. Dann kann man sich entscheiden ob man weiter macht. Denn gerade da ist es wichtig, dass man sich gut aufgehoben fühlt. Darauf solltest du auch Wert legen. Erst schnuppern und dann erst Therpie dort machen wo du dich wohl fühlst und angenommen. 

Vielleicht kannst du dein Tief auch als eine normale Phase der Erschöpfung und deiner Gefühlswelt annehmen. Es ist nichts, dass man bekämpfen muß. Mal zulassen als momentan. Dann vergeht es nämlich auch schneller als wenn man mit Wucht versucht es zu ändern. 

Alles Gute für dich und dass der Kraftspeicher langsam wieder voll wird  von Rose

bearbeitet von Rose63
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Hubertus

Nüsschen, Ella, Rose63 -- wow, Ihr seid wunderbar. Vielen Dank. Das tut gut. Mehr schaffe ich heute nicht zu schreiben, aber mein Dankeschön kommt vom Herzen. So toll, wie Ihr hier Empathie zeigt... DANKE

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Pfui Spinne

Hallo Hubertus,

vielleicht können die dir in der Klinik einen Tipp für einen Psychologen o.ä. geben, fragen kannste ja mal.

Und ja, die Couch ist harte und langwierige Arbeit, aber vielleicht bist du jetzt gerade am richtigen Punkt mit deinem Zusammenbruch und der Möglichkeit zu heulen.

vor 7 Stunden schrieb Hubertus:

Ich gehe regelmäßig mit dem Hund durch den Wald joggen

Boah ey, träum‘ ich von (also Hund kann gerne wegbleiben, aber) joggen würde ich echt gerne und das ist im Moment nicht drin. Insoweit scheint bei dir zumindest die PSA ja ganz gut unter Kontrolle zu sein. Ich würde sagen, das lässt hoffen.

Gruß

Pfui Spinne

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Hubertus

@Pfui Spinneja, das Joggen geht wieder gut (meine Gelenke sind okay, nur die Haut spinnt total), aber auch während der akuten PSA habe ich versucht, so viel es geht zu Laufen... das war oft eine Überwindung, aber hat geholfen.

Und ja, danke, ich frage mal in der Klinik wegen Psychologen.

Aber ich muss nochmal betonen: Objektiv geht es mir gar nicht so schlecht, und seit heute spritze ich Taltz und habe wieder Hoffnung, aber... es war einfach ein Punkt erreicht, an dem ich mich so unwahrscheinlich schwach und hoffnungslos gefühlt habe. Heute war ich mal nur auf dem Sofa und habe meine Wunden geleckt, langsam geht es besser.      @Rose63

 

 

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Hubertus

Deine 3-Stunden-Regel finde ich übrigens super! @Rose63

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Hubertus

Zermürbung - ich finde dieses Wort beschreibt unsere Krankheit vielleicht am besten. Die PSO/PSA ist ja nicht akut lebensgefährdend, und sie kommt oft schleichend und man gewöhnt sich irgendwie dran, und sowieso - es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht, insofern drückt man seinen Kummer oft erstmal weg. Also bei mir war es jedenfalls so. Aber irgendwann ist man zermürbt. Und dann kommt alles raus. - Ich bin gerade auf diesem totalen Tiefpunkt und möchte mich bei Euch allen für die lieben Worte bedanken, die so gut tun und tatsächlich helfen. Ich bin nicht alleine.

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Rose63
vor einer Stunde schrieb Hubertus:

@Pfui Spinneja, das Joggen geht wieder gut (meine Gelenke sind okay, nur die Haut spinnt total), aber auch während der akuten PSA habe ich versucht, so viel es geht zu Laufen... das war oft eine Überwindung, aber hat geholfen.

Und ja, danke, ich frage mal in der Klinik wegen Psychologen.

Aber ich muss nochmal betonen: Objektiv geht es mir gar nicht so schlecht, und seit heute spritze ich Taltz und habe wieder Hoffnung, aber... es war einfach ein Punkt erreicht, an dem ich mich so unwahrscheinlich schwach und hoffnungslos gefühlt habe. Heute war ich mal nur auf dem Sofa und habe meine Wunden geleckt, langsam geht es besser.      @Rose63

 

 

Nochmal ein Hallo, Hubertus,

objektiv geht es dir doch schlecht. Dir ist zum heulen und du leckst deine Wunden. Das ist besser als immer alles zu verharmlosen und dir selber die Kraft stehlen. 

Es darf doch sein. Ausruhen, Kraft schöpfen, ausheulen, bedauern. Laß es zu! 

Dann kommt Stufe zwei. „So schlimm ist es ja eigentlich nicht“ streichst du. lieber. ok, wie kann ich das Beste daraus machen. Wie künftig sorgfältig mit mir umgehen, damit ich mich nicht mehr so erschöpfe. Damit ich mir auch Zeit nehmen zu bedauern und die Wunden zu lecken. Das klingt jetzt komisch, aber seit ich auch mal Schwäche zulasse, habe ich viel mehr Kraft bekommen. 

So ein Zwangsoptimismus schwächt  ungemein und frustriert. So ganz innen rumort nämlich das Gefühl, eigentlich gehts mir doch nicht ganz so gut wie ich mir vormache. Wir sind ja ein Ganzes. Körper gehört zu Seele und umgekehrt. Und auch Angst ist wichtig. Sie hält wachsam und vorsichtig. 

Und was ich ganz toll finde:  du hast deine Schwäche erkannt. Bist zu dir und zu ihr gestanden und hast um ein paar Worte des Mitgefühls gefragt. Trost gesucht.  Das ist wunderbar und der größte Schritt auch deine Schwache Seite ernst und wichtig zu nehmen. Wirst sehen, mit den vielen mitfühlenden und verständnisvollen Antworten der SchreiberInnen hier im Rücken bist du bald aus dem Tief. 

Alkes Gute von Rose 

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Hubertus

Liebe Rose,

nochmal vielen Dank für Deine Worte, die wahrscheinlich sehr wahr sind.

Es stimmt ja: Ich bin gewöhnt, immer zu funktionieren, stark zu sein und im Job pünktlich alles zu erledigen. Was Du schreibst, stimmt alles.... aber Du bist offenbar schon sehr viel weiter als ich. Deine Zeilen empfinde ich als Ermutigung, die Krankheit mit all ihren Konsequenzen anzunehmen. Daran werde ich nun versuchen zu arbeiten.

Nur den Begriff "Zwangsoptimismus" möchte ich nicht ganz so stehen lassen. Ich jedenfalls bin gar nicht der typische Machomann, der keine Schwächen zeigen will. Bei mir war es zumindest teilweise eher eine bewusste Strategie, der Krankheit nicht so viel Raum zu geben, weil ich ja mehr als meine PSO bin, und ja, dabei habe ich Manches bewusst weggedrückt. Das rächt sich gerade.

Sorry... ich kann heute wenig klare Gedanken formulieren, ich kann mich gerade nicht so gut ausdrücken... bin ganz matt.

Doch Danke sagen... das will ich, für all die mitfühlenden Worte.

Dir und allen anderen alles Gute!

 

 

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Nüsschen
vor 22 Stunden schrieb Rose63:

Gute machen erst mal eine Schnupperstunde. Dann kann man sich entscheiden ob man weiter macht.

Das hat meine Psychologin getan und die Chemie hat gestimmt.

 

vor 20 Stunden schrieb Hubertus:

Ich bin gewöhnt, immer zu funktionieren, stark zu sein und im Job pünktlich alles zu erledigen.

Ein typischer Workaholik: geht vielen so. Ist aber leider ein gutes Mittel andere Dinge zu verdrängen.

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VanNelle

Hallo Hubert,

versuch doch mal eine längere Auszeit zu nehmen. Ich denke an eine Reha, entweder auf Psoriasis oder Psychsomatik. Ich weiss, das dieses als Selbststäniger bestimmt nicht so einfach ist. Könnte aber helfen.

Gute Besserung. :daumenhoch:

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falk75

Hallo Hubertus

Wollte auch Mal etwas zu deinem Thema schreiben. Bin zwar nicht selbständig weiß aber auch selbst welchen Spagat wir da machen müssen. Arbeit/Job/ Geld/Familie........und ganz zum Schluss die eigene Gesundheit. Nur leider hängt an der eigentlich am meisten,was viele ignorieren. Weil wenn es dir gesundheitlich beschissen geht dann kannst du den Job nicht richtig machen oder bist platt wenn du nach Hause kommst. Und da sind ja meistens die Kinder die ihren Papa brauchen und die Frau kommt dann auch noch. Dann wäre noch die eine oder andere Reperatur am Haus oder der Garten. Und die eventuellen Hobbies wären da ja auch noch. Und wenn man innerlich schon am Boden liegt müssen da viele Abstriche gemacht werden. Und wie schon viele hier geschrieben haben ist Weinen oder einfach Mal hängen lassen voll Okay. Dieses hat in meinem Augen nichts mit Schwäche zu tun, sondern man steht zu seinen Gefühlen. Und das ist gut . Man sollte sich nur zuviel bemitleiden. Da fällt man noch tiefer. Das reden mit einem Fremdem wirkt da auch Mal Wunder. Und seit April diesem Jahres sind müssen die Psychologen dir zeitnah ein Erstgespräch anbieten. Und wenn die Chemie passt dann kann man weiter machen. Das mit der Ausszeit ist für dich wahrscheinlich etwas schwieriger. Aber du solltest schauen das du dir die positiven Dinge im Leben, wie Jogging im Wald mit Hund, dir nicht nehmen lässt und noch ausbaust.  

Lass dich auf jedem Fall nicht unterkriegen und Versuch weiterhin mit den besten Wünschen deinen Weg zu gehen. 

Drück dir weiterhin die Daumen. 

Gruß Falk

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Hubertus

VanNelle und Falk, vielen Dank, dass auch Ihr Euch die Zeit genommen habt zu schreiben.

Nach meinem total tiefem Fall vor ein paar Tagen geht es mir langsam etwas besser. Akut geholfen haben mir die vielen freundlichen und empathischen Nachrichten hier. Das hat mich ungemein berührt, wie lieb und uneigennützig Ihr alle reagiert habt.

Langfristig muss sich natürlich mehr tun (muss ich was tun). Das wusste ich rein theoretisch schon lange, aber erst mein nervlicher Zusammenbruch und Eure guten Worte haben die Erkenntnis wirklich an mich rankommen lassen.

Als erste Sofortmaßnahme habe ich gerade einen größeren Auftrag zurückgegeben, der mich die nächsten Monate sehr gestresst hätte. Das bedeutet zwar einen herben Umsatzeinbruch, der für mich als one-man-Firma nicht so ohne ist, aber egal. Denn wie Falk so richtig schreibt, hängt an der Gesundheit alles andere. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber gelebt habe ich danach nicht wirklich.

In den letzten Tagen habe ich viel nachgedacht, warum mich die Krankheit, die mich ja schon ein Vierteljahrhundert begleitet, ganz plötzlich so in die Tiefe gerissen hat. Einen großen Anteil daran habe ich sicherlich selber, keine Frage, und daran versuche ich nun zu arbeiten. Aber: Rückblickend ist mir auch aufgefallen, dass mich in all den Jahren noch nie ein Arzt gefragt hat, wie es mir geht - also wie es mir als ganzer Mensch geht und nicht nur wie es den PSO/PSA-Symptomen geht. Sicherlich ist ein Grund dafür, dass ich meine Ängste, Sorgen und Schwächen sehr gut weggedrückt habe. Aber ich glaube auch, dass sich niemand, auch nicht Ärzte, von gelernten Rollenbildern freimachen können. Da steht dann also ein erwachsener, akademisch gebildeter und eloquenter weißer Mann vor ihnen, also ein gesellschaftlich  privilegierter Mensch, der so gar nicht in das Muster von Schwäche und Hilfsbedürftigkeit passt, und dann kommt ein Arzt nicht auf die Idee, dass dieser äußerlich stark wirkende Mann vielleicht auch psychische Hilfe braucht.

Bei den geschlechtlichen Rollenbildern bedingen sich Aktion und Reaktion sicherlich gegenseitig, aber könnte es nicht sein, dass Frauen eher psychologische Hilfsangebote gemacht werden als Männern - einfach, weil wir alle inklusive der Ärzte klischeehafte Rollenbilder mehr verlinnerlicht haben als wir denken? Nur so ein Gedanke.

Und dass medizinisches Personal nicht immer mit Empathie und psychologischem Feingefühl gesegnet ist, konnte ich gestern in meiner dermatologischen Tagesklinik wieder erleben. Auf dem Krankenhausflur warten viele Patienten, lange Wartezeiten, die Stimmung ist gereizt. Durch die offene Tür zum Schwesternzimmer höre ich, wie die Oberschwester in der Anmeldung eine Patientin anbrüllt. Offenbar hatte diese gewagt zu fragen, vielleicht im gereizten Ton, wie lange sie noch warten müsse. Darauf also rastete die Schwester förmlich aus und schrie u.a. sinngemäß "...und dass Sie psychisch krank sind, ist keine Entschuldigung dafür, dass Sie hier patzig werden", was auf dem gesamten Flur zu hören war; alle blickten peinlich berührt zu Boden. Die betreffende Patientin stürmte dann wortlos raus und verließ die Station. Ich hoffe, es geht ihr gut. Ich konnte sie in dem Moment sehr gut verstehen; auch bei mir lagen ja vor ein paar Tagen die Nerven total blank, Auslöser war ebenfalls das lange Warten auf dem Krankenhausflur. Nur, dass sich bei mir der Frust nach innen gerichtet und ich einen Weinkrampf bekommen hatte.

Was ich nur sagen wollte: Selbst medizinisches Fachpersonal kann sich manchmal überhaupt nicht in unsere Lage versetzen. Um unser psychisches Wohl scheinen wir uns selbst kümmern zu müssen. Wie gesagt, bei mir wurde in 25 Jahren kein einziges Mal gefragt, wie es mir geht - geschweige denn ein Hilfsangebot gemacht.

 

 

 

 

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Pfui Spinne

Moin Hubertus,

in 25 Jahren kein Arzt u.ä. gefragt, wie es geht – das ist hart.

Habe ich anders erlebt. Habe auch schon einige medizinische Nummern durch und bin immer wieder auf tolle Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal getroffen, die auch den ganzen Menschen gesehen haben. Ein paar Idioten gab‘s natürlich auch.

Hast dann wohl entweder die falschen Leute erwischt oder/und tatsächlich, so wie du selbst argwöhnst, zu wenig von dir selbst gezeigt.

Und das Krankenhaus ist noch mal ein besonderes Pflaster. Hier muss man einerseits kämpfen und stoisch sein und Geduld haben wie ne Maschine und andererseits Mensch bleiben und Verbindung zum Personal aufbauen, damit die einen im hektischen Routinebetrieb als Menschen und nicht nur als medizinischen Fall wahrnehmen.

Alles nicht einfach, aber machbar.

Du bist aber wohl auf dem Weg.

Gruß

Pfui Spinne

 

 

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falk75

Hallo Hubertus

Ich sehe das genauso. Eine Arztklinik und das Krankenhaus kannst du heut zu Tage nicht mehr vergleichen. KH wollen alle nur Geld machen und dich schnellstmöglich wieder loswerden. Ich kann da auch ein Lied davon singen. Ab und zu hat man Glück und man erwischt eine Krankenschwester der alten Schule die dich noch um ihre Patienten bemüht. Aber im großen und ganzen ist das ganzen doch total abgestumpft. Und eigentlich ist da unsere Gesundheitsreform nicht ganz unschuldig. Immer mehr Patienten für weniger Krankenschwestern. Was die stellenweise so absolvieren müssen ist auch nicht ohne. Und wer bekommt es dann zu spüren. Natürlich der Patient. 

Aber ich möchte hier nicht weiter ausholen. Eines kann ich dir aber sagen. Du solltest dich auf jeden Fall damit auseinander setzen was deine Ärzte angeht. Ich hatte auch schon solche Ärzte. Da wartet man Stunden und ist nach 10 Minuten mit einem Rezept wieder draußen. Der Arzt hat einem nicht Mal angeschaut geschweige einem die Hand gegeben. Mit so einem wird man nicht gesund. Such dir einen Arzt der sich erstmal alles anhört und dich auch immer gut zur Seite steht. Der fragt dich auch wie es dir geht . Solche findet man zwar sehr schwer aber es gibt sie . Du solltest auch bereit sein ein gutes Stück zu fahren dafür. Ich fahre lieber 1 h mit dem Auto und fühle mich hinterher wohl und gut aufgehoben, wie nur 10 Minuten und total verarscht. Das gibt dir bestimmt auch wieder ein besseres Gefühl auch von der Seite verstanden zu werden. Das mit den Rollenbilder ist heut zu Tage glaub ich nicht mehr ganz so schlimm, aber es fällt halt noch vielen schwer Mal auf dem Gedanke zu kommen das auch ein starker Mann auch Mal etwas seine Gefühle freien Lauf lassen muss. Es steckt halt noch bei vielen noch drinnen,das der Man stark ist und das geld heim bringt. Und immer alles unter Kontrolle hat. Aber leider ist das halt auch Mal anders. 

Ich finde es Klasse das du schon ein paar Schritte in die richtige Richtung gemacht hast. Und drück dir weiterhin die Daumen. 

Gruß Falk. 

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Hubertus
Geschrieben (bearbeitet)

Ich danke Euch allen für Eure freundlichen Kommentare.

Heute war ich wieder in der Tagesklinik, um meine zweite Spritze Taltz zu bekommen. Bei der Gelegenheit habe ich sie darauf hingewiesen, dass man mir beim ersten Mal eine falsche Dosis gespritzt hat (1 statt 2 Spritzen), was mir leider erst später klar geworden war. Deshalb sollte ich einfach heute 2 Spritzen bekommen. Aber das Medikament war nicht da, ich solle warten, es würde noch später geliefert. Nach insgesamt vier Stunden Warten war klar: Das Medikament kommt heute nicht mehr, ich soll morgen wiederkommen. -- Dann wollte mir die Ärztin wieder eine UV-Lichttherapie verordnen, obwohl ich gerade total lichtempfindlich bin und trotz Sonnenmilch LSF50 dauernd einen Sonnenbrand kriege. Das hatte ich der Ärztin schon 2x erzählt, und sie hatte 2x gesagt: Okay, dann besser kein UV, und heute hatte sie das alles wieder vergessen. Dabei steht's sogar in der Akte. So viel zur aufmerksamen Zugewandheit. -- Vorher wurde schon mal ein Laborwert vergessen anzufordern, weshalb ich extra nochmal wiederkommen musste zur erneuten Blutentnahme. -- Und die kleinen Wunden von den ausgestanzten Gewebeproben hatten sich entündet, waren wohl zu fest zugenäht worden. ------- Alles nur Kleinigkeiten, aber die Wuschigkeit dieser Klinik macht mich fertig! Unter normalen Umständen würde ich lachen oder wütend werden. Momentan könnte ich wieder nur heulen, so dünnhäutig bin ich gerade.

bearbeitet von Hubertus

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Hubertus

Hier wurde ein paar Mal gesagt, dass ich mir professionelle Hilfe holen soll, aber wie geht das, also so ganz praktisch? Wie findet man Hlfe, den richtigen Therapeutem? Ich bin gerade sehr rat- und kraftlos.

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falk75

Hallo Hubertus. Wenn es wegen eines Psychologen geht da gibt's im Netz einige Anlauf Stellen. Da wäre zum. Beispiel das PID. Ist eine Psychologische information Dienst . Die können dir auch bestimmt ein paar Kollegen in deiner Nähe nennen. Bekommst dann meistens eine Liste mit den ganzen Psychologen zugeschickt die du dann nacheinander anrufen sollst. Dieses ist meistens etwas sehr nervenaufreibend da solche Psychologen die eigenartigsten Sprechzeiten haben. Nicht aufgeben und immer schön weiter suchen. So etwas kann man nicht gleich erzwingen. Hab auch fast ein halbes Jahr gebraucht bis ich jemanden gefunden hatte. Und dann muß man noch ein halbes Jahr warten bis wieder ein Platz frei wird. Du siehst schon. Nicht aufgeben. Was lange wert, wird endlich gut. !

Viel Erfolg. 

Gruß Falk. 

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Hubertus

Danke, Falk, aber das kommt für mich nicht in Frage, keine Kraft.

 

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Hubertus

Sorry, was ich meinte: Im Moment geht das nicht... Aber vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

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