5 Schritte gegen die Schuppenflechte auf dem Kopf

Badezimmerutensilien

Eine Schuppenflechte auf dem Kopf trotzt so mancher Behandlung. Was ist möglich, um die Psoriasis auf dem Kopf in den Griff zu bekommen?

Finger, Chemie und Mütze weg!

Reize die Kopfhaut so wenig wie möglich. Jede Reizung kann deine Schuppenflechte verstärken: Der Köbner-Effekt kommt ins Spiel. Der Effekt besagt: Genau an der Stelle, an der die Haut gereizt wird, siedelt sich in Ihrem Fall die Psoriasis an.

  • Kratze nicht. Ja, das ist schwer.
  • Föhne die Haare nicht zu heiß. Nimm möglichst Abstand vom Tönen, von Dauerwelle oder Haarspray.
  • Trage eine Kopfbedeckung nie sehr lange.

Schuppen lösen und auswaschen

Schuppen lösen

Löse die Schuppen sanft und nicht aggressiv. Hilf so wenig wie möglich mit Fingernägeln, Kämmen oder anderen mechanischen Methoden nach.

Was immer du zum Schuppenlösen auf den Kopf tust – lass es lange einwirken. Wirklich lange. Das heißt: wenn es geht, mindestens 12, höchstens 24 Stunden. Noch besser: Verstärke die Wirkung, indem du eine Plastikfolie um die Haare wickelst. Vorzugsweise wird das wohl nachts sein.

  1. Fang mit milden Methoden an, um die Schuppen zu lösen – also: mit Olivenöl. Massiere es abends in die Kopfhaut, wickel eine Frischhaltefolie herum oder besorge dir sich für diesen Zweck eine OP-Haube. Die Prozedur wiederhole einige Abende. Wenn dann die Schuppen gelöst sind, kann es mit Schritt 3 weitergehen.
  2. Wenn die Schuppen hartnäckig sind, versuche sie mit Salicylsäure zu lösen. Die gibt es mit 3% bis 15% in der Apotheke. Sie wird aufgelöst in Vaseline, Olivenöl oder einer Salbe, die sich leicht auswaschen lässt. Ein Beispiel für eine Mischung, die jede Apotheke anfertigt: 4% Salicylsäure in Silix Biowaschöl.
  3. Hilft auch Salicylsäure nicht, greife zu einer Basiscreme. Die heißt genau so und ist in der Apotheke zu haben – als Basiscreme DAC oder Asche Basis Creme. Nachteil: Sie sind etwas schwieriger auszuwaschen.
  4. Sind die Schuppen immer noch nicht besiegt, kannst du beim Hautarzt nach Shampoos oder Tinkturen zum Schuppenlösen mit Kortison oder Steinkohlenteer fragen. Letzteres ist nicht modern, aber manche Psoriatiker und Kliniken schwören darauf. Der Teer scheidet aus, wenn du schwanger bist, stillst oder im Säuglingsalter bist (wobei du diese Zeilen dann ohnehin nicht lesen kannst).

Schuppen auswaschen

  1. Beginne mit einem normalen, aber milden Shampoo. Das lässt du 3 bis 5 Minuten einweichen. So sollen sich so viele Schuppen wie möglich lösen.
  2. Nutze in der zweiten Runde der Haarwäsche ein medizinisches Shampoo. Beispiele: Stieprox, T/Gel Plus, Kertyol-S, Tarmed, Poloris
  3. Nach der Haarwäsche geht’s ans Trocknen. Ein bisschen dürfen hier noch einmal Schuppen gelöst werden. Doch rubbele nicht so stark auf der Kopfhaut. Meide scharfe, spitze Kämme oder Bürsten und vor allem auch hier wieder die Fingernägel.

Manchmal kleben Haare an den Schuppen. Betroffene bemerken oft einen vermehrten Haarausfall. Das ist „normal“. Im Laufe der Behandlung wachsen die Haare nach, meist bleibt der Haarausfall nicht bestehen.

Neue Schuppen am Wachsen hindern

Es gibt viele Möglichkeiten, die Bildung neuer Schuppen(krusten) zu vermeiden. Auch für diesen Zweck gibt es starke und milde Präparate. Manchmal verliert ein Mittel, das bis eben immer funktioniert hat, an seiner Wirkung. Hier gilt wie bei anderen Psoriasis-Medikamenten: Nicht jeder spricht auf das gleiche Präparat an. Ausprobieren ist normal.

Behandele die Haut regelmäßig rückfettend. Das ist auch wichtig, wenn du deine Kopfhaut in Schritt 4 mit einer alkoholhaltigen Tinktur behandelst.

Ein Beispiel für ein rückfettendes Produkt zu diesem Zweck ist Oilatum Seife aus der Apotheke (und nein, wir haben keine Werbe-Absicht.)

Manchmal muss in diesem Schritt gar kein richtiges Medikament ‚ran. Probieredeshalb Shampoos beispielsweise mit den Wirkstoffen Pyrithion-Zink oder Ketoconazol. Fertige Produkte sind u.a.:

  • Crinohermal Anti-Schuppenshampoo
  • ExtroDerm Shampoo
  • head & shoulder
  • Hydroderm Shampoo
  • Kertyol S
  • Elution
  • Lavasan S – Anti-Schuppen Shampoo
  • Mavena Shampoo
  • PHYSIOGEL Shampoo
  • sebamed Trockene Haut Duschemulsion
  • Veladerm Duschlotion
  • Wofacutan Haarshampoo und
  • XYNDET® Haar- & Body Shampoo.

(Wie gesagt: Wir haben keine Werbe-Absicht.)

Wirken allgemeine medizinische Shampoos nicht, sollte man Shampoos mit sulfonierten Schieferölen ausprobieren. Die müssen vor dem Auswaschen meist 10-15 Minuten einwirken. Fertige Produkte sind u.a.:

  • Bionatar Shampoo
  • Crino Cordes N Shampoo
  • Dermasence Selensiv Shampoo

Die bekommst du ohne Rezept in der Apotheke.

Stoppe die Entzündung!

Naturheilmittel

In milden Fällen könnte ein Naturheilmittel genügen – beispielsweise

  • Belixos und Rubisan. Sie enthalten den pflanzlichen Wirkstoff Mahonia aquifolium.
  • Psorelia – eine Weihrauch-Creme
  • Psorasom forte – enthält ein Fumarat

Alle bekommst du ohne Rezept in der Apotheke.

Vitamin-D3-Präparate

Helfen Naturheilmittel nicht, kommst du um einen Besuch beim Arzt nicht herum, denn ab hier wird es rezeptpflichtig. Den Anfang macht Vitamin D3. Die Wirkstoffe heißen Calcipotriol, Calcitriol, Tacalcitol oder ähnlich. Sie wirken der überschießenden Zellteilung entgegen.

Beispiele:

  • Curatoderm – eine Emulsion für die Kopfhaut, die gleich noch ein pflegendes Fett enthält.
  • Daivonex – eine alkoholhaltige Tinktur. Vorsicht: Der medizinische Alkohol trocknet die Kopfhaut aus.

Kombination aus Vitamin D3 und Kortison

Einen Versuch wert sind auf jeden Fall auch Medikamente, die eine Kombination aus Vitamin D3 und einem Kortison enthalten.
Beispiele:

  • Xamiol und Daivobet Gel: Calcipotriol mit Betamethason kombiniert – als Dauertherapie gedacht. Kommt nur auf die entzündeten Hautstellen, nicht großflächig auf die ganze Kopfhaut.

Wenn die Haut damit besser wird, kann man gut ausprobieren, nur noch die reinen Vitamin-D3-Varianten (siehe 2) zu benutzen.

Reine Kortison-Präparate

Ist die Kopfhaut stark entzündet, musst du dir eine Meinung über kortisonhaltige Medikamente bilden. Die wirken gegen die Entzündung. Sprich mit deinem Hautarzt über Kortison und deine Bedenken (wenn du welche hast). Nenne ihm auch deine Gründe. Wichtig: Dabei geht es immer „nur“ um äußerliche Medikamente – also Salben, Cremes, Gels, Shampoos oder Schäume mit Kortison – und nicht um Tabletten und Co.

Kortisonprodukte werden in vier Klassen eingeteilt. In „Klasse I“ sind schwach wirksame Kortisone, in „Klasse IV“ sind sehr stark wirksame Kortisone. Wir bieten auch eine Übersicht über Psoriasis-Medikamente mit Kortison und ihre Klassen.

Beispiele für die Anwendung bei Psoriasis:

  • alkoholhaltige Tinkturen (die sollen wirklich nicht auf die Gesichtshaut oder in die Augen)
  • Schaum (Deflatop, Clarelux)
  • Shampoo (Clobex) (ein hochwirksames Kortison, das du kurz einwirken lässt und dann auswäschst)
  • Cremes und Salben als „Kopfpackung“ über Nacht. Die sind manchmal nicht so leicht auszuwaschen. Dafür punkten sie, weil sie sehr wirkungsvoll sind und gleichzeitig rückfettend wirken.

Wenn du mit deinem Hautarzt ein Kortisonmedikament gewählt hast, trage es nach Anweisung auf. Schleiche die Anwendung nach 4 bis 6 Wochen aus. Das bedeutet: Benutze es erst nur noch alle zwei Tage, dann nur noch alle drei Tage, später nur noch alle vier – und so weiter.

Hier kommen noch zwei Therapien außer Konkurrenz – vielleicht willst du mit deinem Arzt ja einmal darüber sprechen oder magst sie lieber als die bisher genannten:

Dithranol

Du bist experimentierfreudig und scheust keine Gefahr? Dann sei noch der Wirkstoff Dithranol ins Spiel gebracht.

Richtig angewandt, gibt es keine Nebenwirkungen im medizinischen Sinne. Wohl aber praktische Nebenwirkungen für alles, was mit Dithranol in Berührung kommt. Wirklich alles – die Kacheln im Badezimmer, die Badewanne, jegliche Kleidung. Ist also eher etwas für Menschen, die in aller Ruhe auch mal herumstehen können. Die Behandlung ist aufwändig, aber man kann prima beispielsweise Radio hören, Vokabeln lernen, Fernsehen gucken…

Dithranol wird entweder in der Apotheke angemischt. Die Dosis wird im Laufe der Zeit immer weiter gesteigert. Doch diese Mixturen verfärben wie gesagt alles. Ein Fertigprodukt mit Dithranol ist Micanol. Beide Dithranol-Formen gibt es auf Rezept vom Hautarzt.

Lichttherapie

Auch die Behandlung mit einem UV-Kamm ist eher für geduldige Menschen geeignet. Das ist quasi ein Bestrahlungsgerät in Klein, eben wie ein zu groß geratener Kamm. Damit bestrahlt man die Kopfhaut Scheitel für Scheitel. In dieser Größe übernehmen Krankenkassen auch oft die Kosten, wenn ein Arzt den UV-Kamm verschreibt.

Medikamente zum Einnehmen

Wenn du bis Schritt 5 kommst, hast du vermutlich eine ziemlich schwere Schuppenflechte auf der Kopfhaut. Dann wird ein Hautarzt dir auch innerliche Medikamente vorschlagen – Tabletten, Kapseln oder Spritzen. Wirkstoffe hierfür sind die, die auch bei der Psoriasis am Rest des Körpers zum Einsatz kommen.

  • Fumarsäure (in der Apotheke als Fumaderm und Skilarence)
  • Retinoide (in der Apotheke als Neotigason)
  • Ciclosporin (in der Apotheke als Sandimmun oder Immunosporin)

Quelle: Vortrag von Dr. Frank Bachmann beim Psoriasis Forum Berlin e.V. im Juni 2014

Was hilft dir? Was macht alles nur noch schlimmer? Teile deine Erfahrungen doch in einem Kommentar mit!

Bildquellen

  • Badezimmerutensilien: mihalec - Fotolia.com
Über Claudia Liebram 282 Artikel
Claudia Liebram ist Berlinerin mit Leib und Seele. Dort arbeitet sie als Redakteurin. Ihre Psoriasis begann, als sie 3 Jahre alt war – viel Erfahrung also, die sie weitergeben kann.

1 Kommentar

  1. Ich habe seit ca. 14 Jahre Psoriasis, war bereits in einer Derma-Klinik
    mit Balneo- Therapie voller Erfolg. Lebe in einer Stadt in Franken hier gibt es eine Therme mit Solebeck en 1,4%,4%,12%,27% war gestern im 27% Becken jetzt ist alles rot.Kann man allein mit Sole Psoriasis lindern?
    Vielen Dank!

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